Nonstop-Orgelwerk : Tonwechsel bei längstem Musikstück

In Halberstadt in Sachsen-Anhalt erklingt seit 2001 das auf 639 Jahre ausgelegte Orgelwerk von John Cage, "As slow as possible". Heute stand ein Tonwechsel an. Der nächste Klangwechsel findet erst in zwei Jahren statt.

Halberstadt - In Halberstadt, dem Aufführungsort des von John Cage komponierten längsten Musikstücks der Welt, ist am Freitag auch eine Akademie zu Ehren des amerikanischen Künstlers gegründet worden. In der Stadt in Sachsen-Anhalt erklingt seit 2001 das auf 639 Jahre ausgelegte Orgelwerk von John Cage (1912-1992), «As slow as possible», in einer nonstop-Aufführung. Die neue Akademie soll das Musikprojekt, das aus Dauertönen, einzelnen Akkorden und Pausen, die Monate und Jahre dauern können, begleiten. Gründungspräsident ist der Komponist Dieter Schnebel, der als erste Amtshandlung einen Tonwechsel an der Cage-Orgel vornahm.

Zahlreiche Musikexperten und Interessierte kamen zum feierlich zelebrierten Klangwechsel in den Aufführungsort, die Halberstädter Burchardikirche. Dort soll das Orgelstück bis zum Jahr 2639 aufgeführt werden, auf einer eigens zu diesem Zweck etappenweise wachsenden Orgel.

Begonnen hat das Experiment der Musikgeschichte am 5. September 2001, dem 89. Geburtstag des damals bereits gestorbenen amerikanischen Künstlers. Die Dauertöne werden mit Hilfe von an den Tasten angebrachten Sandsäckchen gehalten. Der nächste Klangwechsel findet erst am 5. Juli 2008 statt. Bis zu diesem Zeitpunkt sind die Töne A, C und FIS zu hören.

In Halberstadt ist 1361 die erste Großorgel der Welt gebaut worden. Zum Jahrtausendwechsel 2000 war dieser Meilenstein der Musikgeschichte genau 639 Jahre her. Diese Daten bildeten den Rahmen für den Ort und die Geburtsstunde des Cage-Projekts: In Halberstadt sollte das Stück von Cage für die Dauer von 639 Jahren aufgeführt werden, gespiegelt an der «Zeitachse» des Jahres 2000. Die Cage-Partitur wurde für dieses Vorhaben rasterartig eingeteilt, in neun Mal 71 Jahre. (tso/dpa)

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