Kultur : Nordlust

Katrin Wittneven

unternimmt einen Galerierundgang jenseits der Torstraße Das Areal rund um die Berliner Schröderstraße hat sich gemausert: Was als eigener Rundgang anfangs etwas konstruiert klang („Kunst Mitte Nord“) hat sich in den letzten Jahren mit Ausstellungsorten wie Capri oder Rekord zum Zentrum Berliner Produzentengalerien entwickelt. Naturgemäß ändern gerade diese gerne Profil und Ort und so emfiehlt sich auch am heutigen Vernissagenabend (19–23 Uhr) der ausliegende Folder zur Orientierung. Der Projektraum Nordfenster etwa sucht sich für jeden Rundgang ein neues Domizil. Diesmal ist er in der Schröderstraße 6 untergekommen, wo Norbert Wienneth und Karsten Kusch Fotografien und Gemälde zeigen. Schräg gegenüber ist in der Galerie Echolot eine Gruppenausstellung mit den Künstlern der Galerie zu sehen, die sich auf ein vorgegebenes Format beschränken mussten.

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Neben den Produzenten übertreffen sich die Platzhirsche mit herausragenden Präsentationen: Die Galerie Markus Richter (Schröderstraße 13) etwa glänzt mit Installationen des slowenischen Künstlers Tobias Putrih sowie neuen Videoarbeiten des amerikanischen Künstlerduos John Wood und Paul Harrison . Die nur minutenkurzen Filmsequenzen, die zuletzt in der Tate Britain zu sehen waren, sind wie wissenschaftliche Versuchsaufbauten präzise komponiert. Inszenierte Handlungsabläufe, wie das Verteilen eines Papierstapels von einem Kilometer Länge mit einer Schleifmaschine, die an der Schnittstelle von Performance, Videokunst und Minimal Art oft einen slapstickhafen Ausgang haben (bis 16. 10.). Mit einer Entdeckung warten auch Schuster & Scheuermann auf, die Bilder des Amerikaners Brian Novatny präsentieren (Gartenstraße 7, bis 6.11.). In blasser Koloration mischen sich Muster und Figuren zu faszinierend-traumartigen Geschichten, bei denen Vorder- und Hintergrund miteinander zu tanzen scheinen. Bei Preisen zwischen 2000 und 4000 Euro waren die ersten Bilder bereits vor der Eröffnung verkauft. Nur ein paar Häuser weiter sind Zeichnungen von Thomas Müller in der Galerie Fruehsorge zu sehen (bis 9.10.) Kraftvolle Blöcke wechseln sich hier mit feinsten Linien ab, lapidar erscheinende Tuscheflecken mit zarten Bleistiftgittern. Erstklassige Zeichnungen – über Zeichnung (750–4800 Euro).

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