Kultur : Nouvelle Vague

Diese Woche auf Platz 36 mit: „Bande Á Part“

Ralph Geisenhanslüke

Standardsituation in einem noch nicht komplett verbürgerlichten Haushalt. Sie: „Legst du uns was Schönes zum Essen auf?“ Er: „Strokes? White Stripes?“ Sie: „Bitte, nicht schon wieder diesen Krach! Wie wär’s mit der Brigitte-Jazz-CD?“. Er: „Ok, dann eben Nouvelle Vague“. Nouvelle Vague geht immer und überall. Schuld ist ausnahmsweise nicht allein der Bossa Nova, sondern auch die New Wave. Beides Strömungen, die mal für musikalische Erneuerung standen, in den sechziger und achtziger Jahren. Beider Anhänger haben normalerweise nicht viel gemeinsam. Irgendwie ist doch alles Nouvelle Vague, dachten sich die französischen Produzenten Marc Collin und Olivier Libaux. Warum nicht einen blutigen Straßenkampf-Klassiker wie „Guns Of Brixton“ von The Clash als zart gegarte Dinner-Beschallung?

Vor zwei Jahren wurde diese ausgekochte Travestie ein Sommerhit. Irgendwann stehen auch Ex-Punks vor der Frage: Was lege ich auf, bevor ich den Bordeaux entkorke? Und da ist diese amuse d’oreille nach Rezepten von The Cure, P.I.L. oder den Dead Kennedys weiterhin jeder Fertig-Jazz-Soße vorzuziehen, auch im zweiten Gang, zu dem nun Variationen von Bauhaus, den Cramps, New Order oder Billy Idol serviert werden. Das Konzept klingt vielleicht etwas aufgewärmt, weil es nicht mehr überrascht, aber die Variationen von „Heart Of Glass“ oder die langsame Farce von „Fade To Grey“ genügen immerhin dem Anspruch an zeitgemäße Tafelmusik. Spätestens beim Dessert, „Eisbär“ von Grauzone, sind alle zufrieden. Der Appetit kommt beim Hören, n’est-ce pas?

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