NS-Raubkunst : Plakatsammlung soll in Berlin bleiben

Die wertvolle Plakatsammlung von Hans Sachs sollte nach Ansicht der Beratenden Kommission für die Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter im Deutschen Historischen Museum in Berlin bleiben.

Berlin - Der Berliner Kunstsammler Sachs habe seine Sammlertätigkeit immer auch als Dienst an der Öffentlichkeit verstanden, betonte die Koordinierungsstelle am Donnerstag. Der Sohn von Sachs, Peter Sachs, hatte einen Anspruch auf Herausgabe der Sammlung geltend gemacht, da es sich um NS-Raubkunst handele, die nach den Washingtoner Prinzipien von 1998 und der Gemeinsamen Erklärung von 1999 zurückzugeben sei. Das Museum lehnt die Herausgabe ab. Sachs habe seit 1966 den Aufenthaltsort gekannt, aber keinen Anspruch auf Restitution erhoben.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) begrüßte die Empfehlung der Kommission ausdrücklich. "Die Kommission ist nach umfassender Abwägung der vorgetragenen Argumente zu einem fairen und gerechten Ergebnis gekommen. Ich hoffe, dass sie bei künftigen Streitfällen häufiger angerufen wird", sagte Neumann.

Gestapo beschlagnahmte die Sammlung noch vor der Flucht von Sachs

Bereits 1966 brachte Hans Sachs gegenüber einem westdeutschen Freund zum Ausdruck, dass er nach dem gerichtlichen Vergleich aus dem Jahre 1961 seine materiellen Ansprüche als ausgeglichen betrachte. Zwar sei der ideelle Verlust niemals auszugleichen. Gleichwohl wolle er bei der Pflege und Erschließung der Sammlung helfen.

Dem Zahnarzt Hans Sachs (1881-1974) gelang es in den Jahren 1896 bis 1938, eine Sammlung von 12.500 Plakaten und 18.000 Stücken kleinerer Grafiken zusammenzutragen. Aufgrund der Judenverfolgung musste er 1938 mit seinem Sohn Peter Deutschland verlassen. Noch vor dieser Flucht wurde die Sammlung durch die Gestapo beschlagnahmt. 1961 erhielt Sachs 225.000 D-Mark von der Bundesrepublik Deutschland als Wiedergutmachung. 1966 erfuhr er, dass sich Teile der Sammlung im Berliner Zeughaus Unter den Linden befanden. Dieses Haus ist heute das Deutsche Historische Museum, in dem derzeit rund 4000 Plakate der ursprünglichen Sammlung vorhanden sind.

Im Juli 2006 wurden die Objekte auf Wunsch von Peter Sachs in der Internet-Datenbank lostart.de der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste registriert. (tso/ddp)

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