NS-Raubkunst : Preußenstiftung einigt sich mit Glaser-Erben

Zwei Zeichnungen und 26 Fotografien verbleiben in der Berliner Kunstbibliothek. Darauf haben sich die Erben Curt Glasers und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz geeinigt.

Entwurf für ein Relief von Christian Bernhard Rode, "Allegorische Darstellung mit Herkules, Fama und allegorischen Gestalten" von 1796, eine undatierte Reproduktion. Sie gehörte einst dem jüdischen Kunstsammler Curt Glaser, der seinen Besitz in der NS-Zeit versteigern musste.
Entwurf für ein Relief von Christian Bernhard Rode, "Allegorische Darstellung mit Herkules, Fama und allegorischen Gestalten" von...Foto: dpa

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat sich nun in einem weiteren Fall mit den Erben des Kunstsammlers Curt Glaser geeinigt. Der bis 1933 amtierende Direktor der Kunstbibliothek musste aufgrund seiner jüdischen Abstammung emigrieren und seine Sammlung versteigern. Die beiden nun identifizierten Zeichnungen und 26 Fotografien aus seinem ursprünglichen Besitz bleiben gegen Zahlung einer ungenannten Entschädigungssumme bei der Stiftung, im Rahmen einer fairen und gerechten Lösung im Sinne der Washingtoner Prinzipien, wie beide Seiten erklärten.

Die Fotografien stammen aus einem Bestand von rund 10 000 Aufnahmen, die Glaser kurz vor seiner Emigration in die Vereinigten Staaten der Kunstbibliothek geschenkt hatte. „Ohne nationalsozialistische Verfolgung wäre Professor Curt Glaser nicht gezwungen gewesen, seine Heimat zu verlassen und sich von einem Großteil seines Besitzes zu trennen“, erklärte der Erben-Anwalt David J. Rowland. Die Stiftung hatte sich bereits 2012 mit den Nachfahren geeinigt und damals vier Werke von Edvard Munch und Ludwig Kirchner restituiert. Die beiden Zeichnungen von 1796, die nun im Verlauf weiterer Recherchen im Kupferstichkabinett aufgefallen waren, sind Entwürfe für ein Relief von Christian Bernhard Rode.

Parzinger: Würdigung von Personen wie Glaser ist der Preußen-Stiftung ein großes Anliegen

Stiftungs-Präsident Hermann Parzinger sagte zu der Einigung: "Ich freue mich, dass wir durch die systematische Erforschung unserer Bestände immer öfter aktiv auf mögliche Berechtigte zugehen können, um mit ihnen faire und gerechte Lösungen zu finden." Dabei sei der Stiftung auch die Würdigung betroffener Personen wie etwa Curt Glaser, deren Leben und Wirken aufgrund der NS-Säuberungen in Vergessenheit geraten sei, ein großes Anliegen. Im Zuge von Provenienzrecherchen der Staatlichen Museen zu Berlin und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz waren in letzter Zeit immer wieder NS-Raubkunstfälle geklärt worden. Entweder die Werke wurden restituiert oder sie verblieben gegen Entschädigungszahlungen im Besitz staatlicher Institutionen. Tsp

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