Kultur : Nullerjahre

Mit "Eine Hochzeit zum Verlieben" ist seit einer Woche der erste Film im Kino, der voll und ganz auf Achtziger-Jahre-Nostalgie setzt.Und auf sonst gar nichts.Irgendein anderer Grund, warum die nette Nichtigkeit um Irrungen und Wirrungen in jener Dekade spielt, ist jedenfalls nicht zu erkennen.Und so verstört daran nicht nur der Umstand, daß der Hauptdarsteller dem jungen Eric Idle sehr ähnlich sieht und man daher ständig erwartet, daß die romantischen oder dramatischen Szenen monty-python-mäßig ins Groteske abkippen.Sondern vor allem die bange Frage: Bleibt uns denn überhaupt kein Revival erspart?

Zu befürchten immerhin war es ja.In den siebziger Jahren, damals schwappte die Nostalgiewelle so richtig los, erinnerte man -sich - noch eher streng intellektuell - an die Zeit zwischen den Weltkriegen.Die achtziger Jahre fanden verstärkten Gefallen an den Fifties und, gegen Ende der Dekade, an den Sixties (die vierziger Jahre hatte man aus verständlichen Gründen übersprungen).Unser Jahrzehnt schließlich stürzte sich auf siebziger-Jahre-typische Unsäglichkeiten wie Plateausohlen, fettig-strähnigen Haare und Christian-Anders-Schlager.

Andererseits: In einiger Hinsicht stellen die neunziger Jahre nur die trübsinnige Fortsetzung der "Boring Eighties" dar, eines Jahrzehnts, das selbst ästhetisch bereits im Übermaß ein zweiter Aufguß war.Darf man da noch hoffen, daß in den "Nullerjahren" (wie die erste Dekade des neuen Jahrhunderts wohl bald genannt werden wird) endlich ein frischer Wind weht, statt daß allenthalben in der ästhetischen Mülltonne gegrabbelt wird? Wie soll, wo schon ein so epochales Ereignis wie der Zusammenbruch des Kommunismus kein Ende der Revivalsucht bewirkte, der blanke Kalender-Akt der Jahrhundertwende mehr vollbringen?

Spinnt man nur die Entwicklung der letzten 25 Jahre fort, versteht man einen Film wie "Eine Hochzeit zum Verlieben" als Wetterleuchten und berücksichtigt, daß etwa die "Neue Deutsche Welle"-Musik schon seit längerem wieder verwurstet wird, so steht uns alsbald eine wahre Achtziger-Jahre-Renaissance ins Haus.Deshalb: Wenn Sie etwa noch qua Design unbrauchbare Gebrauchsgegenstände oder Kostüme mit monströsen Schulterpolstern besitzen oder gar ein postmodernes Häuschen mit Giebelchen, Bögen, winzigen Fenstern und verschnittenem Grundriß - bloß nicht verscherbeln! In fünf oder spätestens zehn Jahren wird das alles ultrahip, megacool und hypertrendy sein.Zumindest für die, die dann das Bild der Jugend in den Medien bestimmen: Yuppies werden sie sie nennen, frühestens in diesen Achtzigern geboren, und recycelt werden sie sein.

Gym

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