Kultur : Nur nicht zu laut

Skulpturenpark: Die Kunst versteckt sich, die Anwohner protestieren trotzdem

Christiane Meixner

Irgendwo muss er doch sein, dieser Ton, der die Anwohner aufbringt. Deshalb klettern die beiden Hüter vom Ordnungsamt nun auf einen Haufen von Steinen, schauen tief in die Ritzen und warten. Wenig später steigen satte AmbientKlänge aus den Ziegelresten, die mal das Fundament eines Hauses waren und sich jetzt auf einer der letzten Brachen zwischen Kreuzberg und Mitte türmen. Skulpturenpark nennt die Berlin Biennale diese grüne, etwas unwirtliche Fläche, die bis 1989 gleich hinter der Mauer lag und als Rest des Todesstreifens mit Geschichte angefüllt ist. Ein idealer Ort für künstlerische Experimente.

Doch noch kurz vor der Eröffnung werden viele der angekündigten Arbeiten erst aufgebaut. Im Holzhaus von Lars Laumann tackern sie grauen Stoff an die Decke, bei den Installationen von Aleana Egan und Ania Molksa winkt der Guide, der die Besucher übers Feld führen soll, gleich ab – nichts zu sehen. Dafür steht die graue Bushaltestelle von Predo Barateiro an der Straße, um die Insassen des Shuttles von der Neuen Nationalgalerie hierher aufzunehmen. Noch aber steigt niemand aus, um die minimalen Eingriffe im Skulpturenpark zu inspizieren.

Oder besser: zu suchen. Denn die kleinen, halbrunden Erdaushübe von Killian Rüthemann drohen im nächsten Regen zu verschwinden, und wer die weißen Schildchen nicht sieht, die Ulrike Mohr neben diverse Bäumchen gestellt hat, der wird nie erfahren, dass diese tapferen Fünf auf dem Palast der Republik gewachsen sind. Pflanzliche Guerilleros sozusagen, die das Dach besetzt und sich mühsam in den Ritzen festgewurzelt hatten. Bis die Künstlerin sie in einer aufwändigen Aktion von der Ruine abgenommen und verpflanzt hat, um eine Idee vom schöpferischen Trotz der Natur zu geben. Die Weiterverpflanzung auf das Dach der Neuen Nationalgalerie war dann nicht mehr gestattet.

Kleinwüchsig sind jene Bäume, genau wie die Interventionen im Skulpturenpark. Mit eisernem Willen unterlaufen sie jede Erwartung, die sich mit typischer Flanierkunst verknüpft. Bloß nichts Buntes, Großes, Festes! Dass auch solche Arbeiten mit intellektuellem Furor überzeugen können, scheint den Künstlern bei aller Subversion ihrer Projekte aus dem Blick geraten zu sein.

Am besten hält diese Balance noch die Soundinstallation von Susan Hiller. Fünf gut versteckte Lautsprecher machen den gefundenen Steinhaufen zum plastischen Objekt. Wie eine kleine, nackte Welt erheben sich die Steinbrocken über die wuchernden Gräser und Büsche. Doch das Ordnungsamt wird wiederkommen und schlimmstenfalls die Dezibel messen. Dann muss auch diese Arbeit ganz, ganz leise sein und sich verstecken.

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