Kultur : Nur noch ein bisschen Moderne auf Lager

Markus Krause

Der geringe Umfang des Katalogs für den Bereich "Moderne" ist das erste Indiz, und die Durchsicht macht die Vermutung zur Gewissheit. So relativ bescheiden wie jetzt hat sich das Moderne-Angebot des Berliner Auktionshauses Bassenge in den ganzen letzten Jahren nicht präsentiert. Hochrangige Kunst des 20. Jahrhunderts lässt sich derzeit wohl nur noch schwer akquirieren. Einziger Trost: Die sehr guten Werke fallen in einem solchen Rahmen stärker ins Auge als sonst.

In vorderster Linie zu nennen ist Heinrich Zille. Eine seiner bekanntesten und vielleicht besten Arbeiten ist die Folge der 1919 bei Fritz Gurlitt erschienenen "Zwanglosen Geschichten und Bilder". Bisher unbekannt waren jedoch die zu den Texten und Bildern gehörenden Originalentwürfe, insgesamt 38 Handzeichnungen und 34 eigenhändige Texte, die nun im Ganzen für geschätzte 120 000 offeriert werden. Da die Blätter durchgehend einheitlich signiert sind, liegt die Vermutung nahe, dass ein Privatsammler das gesamte Konvolut nach Erscheinen des Buches vom Künstler erworben und mit Gefälligkeitssignaturen hat versehen lassen. Überraschend sind ferner zwei qualitätvolle Zeichnungen von Käthe Kollwitz aus der Zeit Anfang der zwanziger Jahre, die die hervorragende Grafikerin im Rahmen eines nicht realisierten Projekts für die Siemens-AG entworfen hat. Für das in der offenen Tür stehende, wartende Mädchen sowie die beiden Murmeln spielenden Jungen werden jeweils 40 000 Mark erwartet. Ganz anders, aber nicht minder interessant, sind die drei konstruktivistischen Deckfarbenmalereien von Frantisek Kupka aus den frühen dreißiger Jahren, die mit Preisen zwischen 6000 und 12 000 Mark versehen sind.

Ansonsten liegen die Stärken besonders im druckgrafischen Bereich. Picassos lithografiertes Bildnis der Geliebten Marie-Therése (1928, 60 000 Mark) gehört hierzu, ebenso die schöne "Sitzende Tänzerin" (1925/26) von Matisse (Lithografie, 25 000 Mark) oder Kandinskys berühmtes Buch "Klänge" mit zahlreichen, zum Teil farbigen Holzschnitten, das auf 60 000 Mark taxiert ist. Das besondere an diesem Exemplar ist die persönliche Widmung an den Künstlerfreund Franz Marc aus dem Erscheinungsjahr der Publikation 1913.

Druckgrafik steht wie immer auch bei der Alten Kunst im Vordergrund. Rembrandt erweist sich dabei einmal mehr als die Nummer Eins. Wunderschön etwa ist der liegende Rückenakt, eine überaus modern anmutende Radierung aus dem Jahr 1658 für 12 000 Mark. Wesentlich höher im Preis liegt die seltene, mit zartem filigranen Strich gestaltete "Landschaft mit dem Zeichner", um 1645, die 50 000 Mark einspielen soll. Aber auch Dürer ist etwa mit seinem berühmten, um 1498 in Kupfer gestochenen "Meerwunder" sehr gut vertreten (35 000 Mark).

Beim 19. Jahrhundert schließlich fällt nicht nur Gottfried Schadows lithografiertes Selbstbildnis von 1824 ins Auge, das seit Jahrzehnten nicht mehr im Handel verfügbar gewesen ist (7500 Mark), sondern auch die Visitenkarte, die Adolph von Menzel um 1870 mit einer geflügelten Amorette auf einer Blumengirlande bemalte. Nur 4,7 mal 8,3 Zentimeter misst diese kleine Kostbarkeit. Aber sollte sie deswegen tatsächlich nur mit 6000 Mark honoriert werden?Bassenge, Erdener Straße 5A, Auktion am 26./27. November; Vorbesichtigung bis 24. November, heute 10-18 Uhr, Sonntag 14-18 Uhr, Montag bis Mittwoch 10-18 Uhr. Zwei Kataloge zus. 50 Mark.

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