Nur was für Nachtmenschen : Ein schlechter Witz

Joachim Huber ärgert sich über die ARD, Loriots Haussender – und fragt sich der Sender es fertig gebracht hat, den Loriot-Film „Pappa ante Portas“ auf 22.45 Uhr zu terminieren.

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Ein Mann mit vielen Gesichtern: Vicco von Bülow alias "Loriot" ist tot und das ruft im ganzen Land Rektionen hervor.Weitere Bilder anzeigen
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23.08.2011 13:55Ein Mann mit vielen Gesichtern: Vicco von Bülow alias "Loriot" ist tot und das ruft im ganzen Land Rektionen hervor.

Es ist ein Witz, und weil er ein schlechter ist, stammt er nicht von Loriot, aber er hat direkt mit ihm zu tun. Die ARD war der Haussender dieses Fernsehkünstlers. Dort hatte Loriot sein Medium, und das Medium konnte mit seinen Werken zeigen, wozu das Fernsehen im besten Falle imstande ist. Am Dienstag, als der Tod Vicco von Bülows bekannt wurde, ließ die ARD-Vorsitzende Monika Piel noch ihre „große Trauer“ verbreiten – „Vicco von Bülow wird unvergessen bleiben“ –, doch dann muss bei den Programmplanern das Gefühl für den Moment, schlichtweg der Verstand ausgesetzt haben. Die ARD hat es fertiggebracht, den Loriot-Film „Pappa ante Portas“ auf 22.45 Uhr zu terminieren.

Eine Erklärung dafür, warum das Erste nach der Tagesschau die Serien „Das Glück dieser Erde“ und „In aller Freundschaft“ der Komödie um Einkaufsdirektor Heinrich Lohse vorziehen musste, konnte nicht gegeben werden. Um 0.10 Uhr ein Nachruf, um 1 Uhr Sketche, darunter Steinläuse, Nudelproblem, Badewanne und Politik. Ist das Loriotsche Werk jugendgefährdend, verrätselt, aus der Zeit gefallen, schwarz-weiß? Es ist beste Familienunterhaltung, Lachfutter für jedermann in jedem Alter.

In dieser Programmierung steckt mehr als ein grandioser Fehler. Darin steckt die Erklärung für das Programm, das das Erste aktuell als Unterhaltung aussendet. Es muss nicht immer Loriot sein, weil es nicht immer Loriot sein kann, so einer wird halt nicht täglich in den Redaktionen vorstellig. In dem Moment, da die Chance, die Verpflichtung besteht, dass sich das Erste Deutsche Fernsehen eines seiner größten Künstler versichert, bewirft es sein Publikum mit Pferdeäpfeln und Mullbinden. Das ist eine selbst verschuldete Niederlage für Geist und Geschmack. Und nicht weniger.. Die ARD hat es fertiggebracht, den Loriot-Film „Pappa ante Portas“ auf 22.45 Uhr zu terminieren.

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