Kultur : Oase des guten Geschmacks

DESIGN

Amory Burchard

„Dinge also ohne jedes Parfüm“ entwarf Wilhelm Braun-Feldweg. Ein Anspruch, der in den Wedding passt. In jenem Stadtteil Berlins, der sich durch äußerste Anspruchslosigkeit auszeichnet, eröffnete jetzt das „Atelier bf-Design“. Der Schauraum ist dem Werk des Gestalters Braun-Feldweg gewidmet. Er wirkt – bei aller Affinität zur industriekompatiblen Einfachheit – wie ein kultureller Leuchtturm in dieser kargen Gegend um den Bahnhof Gesundbrunnen. Wie kommt Braun-Feldweg, „der Türdrücker-Designer des Jahrhunderts“, nach Wedding?

Er ist schon da. „Erno 127“, seine sanft geschwungene Klinke von 1953, öffnet die Zimmertüren der „Gartenstadt Atlantic“. Dieser 1927 gebaute Wohnkomplex im Gesundbrunnen-Viertel wird derzeit von Grund auf saniert. Braun-Feldwegs Tochter ist Vorstand der Gartenstadt-AG, deren Nichte, die Enkelin des 1998 verstorbenen Designers, ist Architektin des Sanierungsprojekts. Schließlich lehrte Braun-Feldweg von 1958 bis 1973 an der Hochschule der Künste (heute UdK). Familie verpflichtet, sagt Benita Braun-Feldweg. Und die Erben der Gartenstadt Atlantic und des großen Gestalters haben sich verschworen, die Weddinger Kulturwüste zu begrünen. Dem „Atelier bf-Design“ folgen noch in diesem Jahr weitere Veranstaltungsorte.

In der zentralen Vitrine des Ateliers stehen Braun-Feldweg-Klassiker wie das genial kopflastige Besteck „Modell Alpha Form 801“ oder die Glasbecher-Serie „Largo“, die 1952/53 die Goldmedaille der Mailänder Triennale errang – weil sie ihrer Zeit formal gut 20 Jahre voraus war. Dann gibt es noch einen Arbeitsraum, in dem Studenten in der Tradition des Meisters zur Design-Theorie forschen können. Beleuchtet ist die Oase des guten Geschmacks von den oval-opalen Havanna-Pendelleuchten Braun-Feldwegs. Sie sind, neben „Erno 127“ und der in Berlin entstandenen Klappleuchte „Britz“ als Reeditionen wieder im Handel.

Bellermannstraße 21 (Wedding), Öffnungszeiten: Dienstags 13 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung (Tel.: 308 62 776). Am Freitag, dem 16. Mai, um 16 Uhr diskutiert Prof. Egon Chemaitis (UdK) im bf-Atelier mit Fachleuten über Reeditionen von Designklassikern.

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