Kultur : Obdachlos

Künstler protestieren gegen Kürzung der Ateliergelder

Michaela Soyer

Leerstand in Ateliers und obdachlose Kunst – so sieht das Szenario aus, das die Berliner Kunstszene empfindlich treffen könnte. Und das in einer Stadt, in der es an an leeren Gebäuden nicht gerade fehlt. Seit 1993 wurden die Mietkosten von 350 Ateliers mit jeweils 40 Prozent bezuschusst. Am 1. März hatten SPD und PDS beschlossen, die bereits im Haushalt eingeplanten 1,2 Millionen Euro für die Ateliersubventionen einzufrieren (Tsp. vom 2.3.). Der Berufsverband Bildender Künstler (BBK) sieht die Zukunft seitdem düster: Weder kann er neue Räume mieten noch die Verträge verlängern.

Nun kommt Bewegung in die Kunstszene. Für heute, 14.40 Uhr, haben Künstler Proteste angekündigt: mit einer Performance am Marlene-Dietrich-Platz. Rund 400 Berliner Künstler sind betroffen. Darunter bekannte Namen wie die Münchnerin Veronika Kellndorfer, die schon in New York erfolgreiche Videokünstlerin Heike Baranowsky oder Johannes Kahrs, der mit zu den neuen Malerstars zählt. Auch die Australierin Patricia Pisani, die auf der Kunstbiennale in Venedig 2003 Furore machte, der – ebenfalls auf der Biennale vertretene – Belgier Jimmie Durham oder der Maler Franz Ackermann nutzten das Programm. Jochen Schöttle vom Künstlerverband kritisiert, dass ohnehin „kein Geld gespart, sondern Leerstand finanziert wird“. Etwa wenn der (für fünf Jahre abgeschlossene) Hauptmietvertrag weiterläuft, an Künstler aber nicht mehr untervermietet werden darf.

So recht glücklich ist wohl auch die SPD nicht mit ihrem Beschluss. Am runden Tisch will man nun Alternativen zur bisherigen Förderung erarbeiten.

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