Kultur : Obdachlosigkeit in Deutschland: Straßenzeitungen zum Überleben

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Sie heißen "Straßenkreuzer", "Trottwar", "Platte" oder "Hinz und Kunzt". Seitdem 1993 mit der Münchener "Biss" die erste deutsche Obdachlosenzeitung herauskam, haben zahllose dieser Projekte Pleite gemacht. Aber es gibt auch immer wieder Neugründungen und Fusionen. Ohnehin sind die Straßenzeitungen die sichtbarsten Selbsthilfeprojekte Wohnungsloser. Kaum jemand entgeht in U- und S-Bahnen dem Spruch "Ich verkaufe die neueste Ausgabe der ..." Das älteste in Berlin noch existierende Blatt ist "motz", ein Straßenmagazin, das jetzt im sechsten Jahrgang erscheint. Die Zeitung wird für zwei Mark verkauft, vom Erlös dürfen die Verkäufer mittlerweile 1,50 Mark (statt früher eine Mark) behalten. Davon leben viele Handverkäufer, ohne zusätzlich Sozialhilfe in Anspruch zu nehmen. Durch den Zeitungsverkauf strukturieren auch suchtkranke Obdachlose ihren Tagesablauf nach einer langen Zeit der Ziellosigkeit. "motz&Co. e.V." unterhält außerdem ein Wohnprojekt, eine Trödelhalle sowie einen Entrümpelungs- und Umzugs-Service.

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