• Obwohl die Band mittlerweile in zweiter Generation fortgeführt wird, hat sich in ihren Liedern der tropisch-männliche Biss von früher erhalten

Kultur : Obwohl die Band mittlerweile in zweiter Generation fortgeführt wird, hat sich in ihren Liedern der tropisch-männliche Biss von früher erhalten

Roman Rhode

Einige Zuschauer kamen mit schweren Zigarren in der Brusttasche ihres Jacketts, andere nur zum Abhotten. Aber im Lauf des Abends sollten sie alle auf ihre Kosten kommen: die Aficionados der kubanischen Salonmusik, die Liebhaber romantischer Boleros, die Fans der flotten Salsa. Im Tränenpalast spielte das Orquesta Aragón zur eigenen Geburtstagsparty auf. Vor 60 Jahren war die Band auf Kuba entstanden, hatte zunächst gemessene Danzones interpretiert, wurde dann jedoch in der ganzen Welt durch ihre leichten, fröhlichen und spritzigen Cha-Cha-Chas berühmt. Auf einem ihrer Plattencover aus den 50er Jahren halten die Musiker lächelnd Mangos, Melonen und Ananas-Früchte in den Händen - kubanische Metaphern für das weibliche Geschlechtsteil. Obwohl die Band mittlerweile in zweiter Generation fortgeführt wird, hat sich in ihren Liedern der tropisch-männliche Biss von früher erhalten. Auch der Tanz, der hierzulande durch maßgeregelte Turnierschritte verfälscht worden ist, zeigte sich auf dem Konzert nach wie vor als unverhüllte Balz. Die 13 Musiker starteten mit der traditionellen Klangfülle ihrer Instrumente, dem sparsamen, perkussiven Strich der Violinen, einem mächtigen Schlagwerk und der frischen Brise aus Piano und Querflöte. Doch bald darauf lösten die Schlaghölzer der afro-kubanischen Rumba das Tschak-Tschak-Tschak des geschrappten Flaschenkürbisses ab. Schließlich landete das Orchester in der aktuellen kubanischen Variante der Salsa, der rhythmisch vielkantigen Timba. Auf diese Weise gelingt es den Aragones, den alten Cha-Cha-Cha nicht nur als zuckersüße Melasse zu vergären, sondern ihn auch noch zu destillieren - zu hochprozentigem Rum.

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