"Ode to my Father" auf der Berlinale : Forrest Gump auf Koreanisch

Gefühlserregungskunst: Der koreanische Film "Ode to my Father" läuft in der Panorama-Sektion. In einer großen Rückblende durchlebt der Protagonist das 20. Jahrhundert - ganz wie das Vorbild aus Hollywood.

Helmut Merker
Blitzheilung: Duk-soo (Hwang Jung-min)
Blitzheilung: Duk-soo (Hwang Jung-min)Foto: Berlinale

Ein alter Herr wird von seinem Enkel gefragt, was „Memory“ bedeutet – und schon sind wir in der Erinnerung. Klar ist dabei: Der Film ist eine Rückblende, unser Held Duk-soo kommt also überall gut durch. Als eine Art koreanischer Forrest Gump wird er durch das 20. Jahrhundert geschickt und entwickelt sich vom naiven Jungen zum knorrigen Alten mit dem Make-up einer wandelnden Mumie.

Als Kind muss er sich während des Koreakrieges mit Eltern und Geschwistern unter 15 000 Flüchtlingen aus dem Norden einen Platz auf dem rettenden amerikanischen Kriegsschiff erkämpfen. Dabei gehen Schwester und Vater verloren: eine tränentreibende Massenszene. Die Familie findet Arbeit auf dem Markt Gukje im südkoreanischen Busan, daher der Originaltitel „Gukje Shijang“. Duk-soo erbeutet von US-Soldaten Schokolade, die er nach einer wilden Verfolgungsjagd in Sicherheit bringt: schöner Slapstick.

Später, als Gastarbeiter in Duisburg-Hamborn, trifft er Deutsche, die steif und autoritär im Stil von Hollywood-Nazioffizieren agieren. Bei einem Grubenunglück wird er in letzter Sekunde gerettet – und flugs geheilt von einer koreanischen Schwesternschülerin.

Wie Forrest Gump in Vietnam

Als Legionär in Vietnam versteckt er sich mit seinem Trupp im Dschungel vor den Vietcong. Großes Atemanhalten, da kriecht eine Schlange über Duk-soos Freund, dem entfährt ein Schreckensschrei. Die Vietcong legen an, eine Maschinengewehrsalve knattert los, aber nicht Duk-soos Männer werden niedergemäht, sondern die Vietcong, weil gerade ein amerikanischer Rettungstrupp vorbeikommt.

Nach diesem Prinzip dienen alle Mittel allein dem Zweck der Gefühlserregung: Erst treiben sie die Dramatik auf die Spitze, dann mit dem Entsetzen Scherz. Die kalkulierte Mischung aus Historie, Comedy, Romanze und Tragödie endet stets im pompösen Melodram. Der Tränen Ströme, aus Freude oder Trauer, ist dann kein Ende mehr bei der Familienzusammenführung im Korea der 80er Jahre.

8.2., 19.30 Uhr (Zoo Palast 2), 9.2., 17 Uhr (Cubix 9), 10.2., 9.30 Uhr (Cinemaxx 7), 14.2., 19.30 Uhr (International)

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