Kultur : Offene Stadt

Starke Konkurrenz: Das 1. Filmfest Rom beginnt

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Nicole Kidman war Stargast, jedes Jahr in Venedig. Nun eröffnet sie morgen mit Steven Shainbergs Diane-Arbus-Biografie „Fur“ das erste Filmfest in Rom. Auch Leonardo di Caprio wird in einem Vorstadtkino sein Umwelt-Engagement vorstellen. Und Martin Scorseses jüngster Film „The Departed“, gerade erst in New York präsentiert, läuft in Rom als Europapremiere, der Meister selbst kommt nach Rom, auch Jack Nicholson ist angesagt. Weitere Stargäste werden erwartet: Richard Gere für die Premiere von „The Hoax“ von Lasse Hallström, außerdem Monica Bellucci und Sean Connery, der mit einer Retrospektive geehrt wird.

„Bescheidenheit“ hat Festivaldirektor Giorgio Gosetti für die erste Runde des römischen Filmfests ausgerufen. Im Wettbewerb mit 16 Filmen findet man kaum die ganz berühmten Namen, die Stammgäste in Cannes oder Venedig, eher Newcomer mit Filmen, die ein begeistertes Publikum jenseits des Blockbuster-Kinos locken sollen. Auch die Jury besteht nicht aus Fachleuten, sondern aus 50 Normalzuschauern unter Leitung von Ettore Scola. Doch weil auch ein Publikumsfestival Stars und Glamour braucht, gibt es eine Gala-Sektion mit neun Filmen, von Christopher Nolans „The Prestige“ über Mira Nairs „Namesake“ bis zu Paulo Virzis Napoleon-Film „N“ mit Daniel Auteuil in der Titelrolle.

Kein Wunder, dass in Venedig vor sechs Wochen die römischen Aktivitäten mit einiger Sorge beobachtet wurden – wächst hier, gut dotiert mit Sponsorengeldern und Förderung durch die Stadt Rom, ein gefährlicher Konkurrent heran? Dass sich beide Festivals eher stärken als schwächen, ist Gosettis diplomatische Antwort: Er setzt auf einen starken italienischen Herbst – vier Wochen später startet auch das Filmfest in Turin. In Rom hat man allen Grund, die Sache entspannt zu sehen, zumal die letzten Jahre in Venedig eher schwächer ausgefallen waren: die Attraktion der Stadt als Kinometropole ist offenbar stark genug, um ausreichend Stars und Produzenten anzulocken. „Die Festivallandschaft verändert sich“, diagnostiziert Gosetti. Nicht mehr die auf ein Branchenpublikum ausgerichteten Festivals an exklusiven Orten wie Cannes und Venedig seien das Modell der Zukunft, sondern das große Publikumsfestival in einer lebendigen Großstadt wie Toronto, Istanbul, London, Pusan, Hongkong, Berlin – und Rom natürlich. Offene Stadt. til

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