Kultur : Offener Horizont

Peter Herbstreuth

fragt sich wohin die Reise von Berliner Debütanten geht Die Berliner Neugaleristin Klara Wallner hat sich vor allem junger Künstler angenommen und zeigt aktuelle zwei Karlsruher Studenten von Franz Ackermann (Brunnenstraße 184; bis 4. September). Bei Debütanten will man sehen, wo sie stehen, damit man weiß, wohin die Reise gehen könnte. Je klarer sie sich am Beginn eines großen Zusammenhangs befinden, desto besser. Pet Bartl-Zuba und Boris Mrkonjic plündern Bildmedien aller Art und erstellen einen scharf gestellten Mix aus Zeichnungen und Skulpturen in kohärentem Grauton (Preise zwischen 88 Euro und 4000 Euro). Sie folgen einer Post-Minimal Art, wie sie von Santiago Sierra formbildend ins Bewusstsein gerückt wurde. Kurios sind schon die Materialbeschreibungen etwa bei der Arbeit „Inward control“: Holz, Acryl, Glas, Bleistift, Brust- und Schamhaare, Licht. Bestechend die perfekte Anordnung der Werke im Raum. Das Duo verwandelt mit schwungvollen Linien und kalkulierten Figurationen den Raum in visuelle Musik. Entweder sind es gut ausgebildete Schüler oder Perfektionisten aus Passion – fast zu perfekt für Debütanten.

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Galerist Michael Schultz (Mommsenstraße 34) zeigt traditionell im Sommer Meisterschüler der Berliner Universität der Künste. Manche von ihnen erweisen sich als Raketen – wie Norbert Bisky, der inzwischen auch bei Leo Koenig in New York ausstellt. Die aktuelle Schau vereinigt Künstler, die eine Jury für die Besten der diesjährigen UdK-Meister hielt : Karin Brunnermeier, Anna-Kavata Mbiti, Jens Nordmann, Alexandra Schlund, Barbara Ueber und Philip Wiegard. Herausragend ist die Arbeit von Philip Wiegard, der zwar Gefahr läuft, ein Berliner Klingelhöller oder Dibbets zu werden, aber so viele Bezüge ineinander fließen lässt, dass selbst die Altmeister hier Unausgeschöpftes entdecken könnten. Seine verspielte Verbindung von Architektur, Bild und Modell reißt einen Horizont auf, den man sich noch kaum noch vorstellen kann. Er stellte eine Holztheke in den Raum, die sich derart ineinander staffelt, dass man meint, es handle sich um ein wild gewordenes Relief (6200 Euro). Prunkstücke sind auch Anna-Kavata Mbitis fest im Holz sitzender Sumoringer mit elegant waberndem Fleisch (9000 Euro) und eine Tischbronze zweier verschlungener Fettberge (3300 Euro). Das Schöne müsse stets etwas fremd bleiben, meinte der Dichter Baudelaire. Die geblähten Proportionen bei Mbiti und die verqueren bei Wiegard sind solcher Art. Heute ist Finissage mit anschließendem Fest.

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