Kultur : Offener Klamauk: Jochen Kowalski

Moritz Schuller

"Du bist von dieser Erde nicht", sang Jochen Kowalski und griff damit den vielen Blumensträußen, dem Blitzlicht und dem Fußgetrommel seiner Fans voraus. Kowalski ist Kult, mit einer Anhängerschaft, die sich zur offenen Verehrung des Sängers bekennt.

"Aus alten Märchen winkt es ..." war der Liederabend in der Komischen Oper überschrieben, den Jochen Kowalski und der Schauspieler Daniel Morgenroth im Wechsel bestritten. Robert Schumanns Heine-Vertonungen "Dichterliebe" neben Ludwig Uhland, vertont von Richard Strauss - der Altus Kowalski, Morgenroth als Rezitator und Andreas Mitisek am Pianoforte leisteten das Programm souverän.

Die schrille Dramatik des Opernsängers Kowalski dämpfte Morgenroths Vortrag weniger durch seinen Ton als den düsteren Charakter der von ihm vorgetragenen Balladen. Friedrich Hebbels "Haideknaben" und auch Friedrich Schillers "Kassandra" bleiben Texte von Untergang und Tod, die, vom Klavier eingeleitet und hier und da unterstützt, von der Dramatik des gesprochenen Wortes leben. Dankbar beklatscht wurde diese melancholische Ware, auch wenn es die Fan-Gemeinde viel eher hinzog zu den spielerischen, leichten Liedern der zweiten Hälfte des Abends, wie Carl Loewes "Tom der Reimer" . Die Zugaben endeten im Klamauk-Gesang Philipp zu Eulenburgs.

Kult ist immer auch Show und auch hier leisteten die beiden einiges. Mal warfen sie sich lässig kleine Gesten zu, ließen sich bitten, mal prosteten sie sich zu: Das Publikum verfolgte solch szenisches Geplänkel ähnlich dankbar wie die Lieder. Die Bedürfnisse seines Publikums sind Kowalski offensichtlich gut bekannt.

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