Kultur : Oh, Cello!

Danjulo Ishizaka im Kammermusiksaal

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Ganz allein, schutzlos und verletzbar, nur in Begleitung seines Cellos kommt Danjulo Ishizaka aufs Podium – und wandelt sich zum Raubvogel. Seine Finger stoßen auf die Saiten herab, wenn sie den richtigen Ton gefunden haben, stellen für alle sichtbar aus, welch mühsame und beglückende Arbeit die Klangerzeugung ist. Krzysztof Pendereckis „Divertimento für Violoncello solo“ ist voller zerfetzter Phrasen aus brachial gezupften Tönen, aber auch frei fließender, lyrischer Melodielinien, die Ishizaka luzide und mit äußerster Präzision angeht. Sein einsamer Auftritt im Kammermusiksaal wird zum Höhepunkt eines Abends, der genau das zum Ziel hat: Die Bandbreite und Klangvielfalt eines Instruments in den Vordergrund zu rücken, das allzu häufig im Orchesterkollektiv untergeht.

Damit ist der „Grand Prix Emanuel Feuermann“ eröffnet, bei dem sich bis Sonntag 12 junge Cellisten dem Urteil der Jury stellen. Der Wettbewerb wird alle vier Jahre ausgetragen, Danjulo Ishizaka war 2002 der erste Gewinner, gefolgt 2006 von Giorgi Kharadze. Auch er tritt an diesem Abend auf und erweist sich als Vollblutromantiker, der, expressiv begleitet von Mara Mednik am Klavier, Schumanns „Fünf Stücke im Volkston“ mit entschlossenem, bienengleich summendem Celloton ganz eigenes Leben einhaucht und sich bei den atemlos schnellen Finaltönen von Tschaikowskys „Pezzo capriccioso“ den Flügelschlägen eines Kolibris annähert. Auf die Preisverleihung eines Wettbewerbs, der solche Sieger hervorbringt, kann man sich freuen (öffentliche Runden im Kammermusiksaal heute sowie am Freitag). Udo Badelt

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