Kultur : Oh, pianissimo!

Ein Potpourri mit Rattle und den Philharmonikern.

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Auf ihrem aktuellen Höhenweg zwischen Bruckners Neunter und Mahlers Auferstehungssymphonie gönnen sich die Berliner Philharmoniker ein bisschen Erholung durch Abwechslung. Mit Werken von Debussy, Dvorak, Schönberg und Elgar umreißen sie in knapp zwei Stunden nicht nur spielerisch die europäische Musikästhetik zum Ausgang des 19. Jahrhunderts. Sie zeigen dabei nur zu gerne, was sie alles können – für ihre Zuhörer in der Philharmonie, live in aller Welt mithilfe der Digital Concert Hall und demnächst zu Besuch in New Yorks Carnegie Hall.

Diese kleine philharmonische Leistungsschau mit Debussys „Prélude à l'après-midi d'un faune“ zu beginnen, in das erst nach aufreizendem Hinauszögern zarte Farben sickern, zeugt von sportlichem Humor. Brillanz lassen Simon Rattle und seine Musiker durch die Leichtigkeit aufscheinen, mit der etwas beiläufig gesagt werden kann. Wer da nur ein wenig Aufmerksamkeit mitbringt, wird umgehend belohnt, auch durch eine wiederkehrende Figur: das pianissimo als Erotikon. Rattle sucht den kammermusikalischen Beginn, um sich in immer sattere, reichere Regionen zu spielen.

Dabei bleibt in Dvoraks „Goldenem Spinnrad“ etwas von der unwiderstehlich doppelmonarchischen Mürbheit dieser Musik auf der Strecke. Schönbergs „Verklärte Nacht“ erklingt quasi doppelt – in der Kammer- und Orchesterfassung zugleich. Philharmonisches 3D mit glühenden Streichern. Elgars „Enigma Variations“ rauschen mit ironischem Glanz. Jetzt würde man auch noch „Pomp and Circumstance“ nehmen. Ulrich Amling

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