Kultur : Ohne Frack

KLASSIK

Tobias Lehmkuhl

Henrik Ibsens „Peer Gynt“ erzählt die Geschichte eines verfehlten Lebens: Der Held will hoch hinaus, lügt und betrügt dafür, ist aber nicht bereit, sich einzusetzen oder etwas herzugeben. Auf der Suche nach sich selbst zieht er durch die Welt, mordet, entführt und vergewaltigt. Dabei gerät er in so seltsame Umstände, dass man manchmal nicht weiß, ob man sich in seiner größenwahnsinnigen Fantasiewelt oder in einer halbwegs realistischen Sphäre befindet.

Zum Abschluss der 28. Deutsch-Skandinavischen Orchesterwoche präsentiert Andreas Peer Kähler in der Philharmonie verschiedene musikalische Bearbeitungen des Stoffes von Edvard Grieg, Alfred Schnittke, Harald Saeverud und Duke Ellington – und zeigt die Gebrochenheit der Figur Peer Gynt auch musikalisch. Dafür nimmt der Dirigent in Kauf, dass die einzelnen Stücke zwar demselben Thema gelten, musikalisch aber relativ unverbunden nebeneinander stehen.

Den erzählerischen Zusammenhang liefert der Schauspieler Christian Morgenroth, der mit eindringlich dunkler Stimme Ibsen rezitiert. Neben der Deutsch-Skandinavischen Jugend-Philharmonie spielt die Bigband des Orchesters, mit schönem Sopran singt Anna-Clara Carlstedt die Solveig. Für volkstümlich-tänzerische Atmosphäre sorgt ein norwegisches Trio aus Geige, Gitarre und Kontrabass. Und zur Freude des Publikums im gut besetzten Saal gibt es eine Tanzeinlage; der Dirigent legt den Frack ab – Gelächter, Applaus.

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