Kultur : Ohne Maske

Xenia Hausners Frauenporträts in der Berliner Galerie Deschler

Christina Tilmann

Die Augen vergisst man nicht: Streng, forschend und direkt blicken sie einen an. Es ist der beobachtende Blick des Malers, mit dem nun einmal das Modell zurückblickt. Xenia Hausner, in Wien geborene und längst in Berlin ansässige Künstlerin, hat die Vorarbeiten zu ihren Porträtbildern zur eigenen Kunstform erhoben. Die Schwarzweiß-Fotos, mit denen sie ihre Modelle während der Sitzungen dokumentiert, hat sie auf Megaformat aufgeblasen und als Grundlage einer eigenen Bildform gewählt. Sie übermalt, collagiert, stückelt mit Pappe und Holz an, verwendet Fundstücke wie Zigarettenschachteln und bedruckte Tüten.

„Meine Konkubinen“ hat die Malerin ihre Modelle genannt, und tatsächlich zeugen ihre Bilder – die gemalten Porträts wie auch die im letzten Jahr entstandenen Objekte – von einer besonderen Nähe im Malprozess. Es sind schöne Frauengesichter, die Hausner porträtiert, weil es starke Gesichter sind, solche, die gegenüber der Malerin offenbar keine Maske der Vorsicht tragen. Hausner-Frauen erkennt man sofort, und trotz der unterschiedlichen Bearbeitungstechnik ist die Malerin, die zuletzt im Jahr 2000 im Kollwitz-Museum mit „Kampfzone“ zu sehen war, sich auch in ihren neuen Bildern treu geblieben. Neun dieser Bilder (zwischen 11000 und 28000 Euro) hat die Berliner Galerie Deschler nun ausgestellt. Der Bildband „Damenwahl“, zur Frankfurter Buchmesse erschienen, vereint weitere Vorarbeiten.

Hausner verschafft ihren Frauen einen großen Auftritt mit starken, körperlichen, auch erotischen und sehr spontan wirkenden Bildern. Sie plane wenig voraus, erzählt die Malerin von ihrer Arbeit, sondern lasse sich bei der Arbeit treiben. Dennoch sind die Arbeiten, auf denen sich neben einer ruhenden Frau ein nachtblau gekörnter Traumhimmel weitet oder eine am Cafétisch sitzende Frau mit einem „Einstein“-Logo konfrontiert wird, mit subtilem Witz inszeniert. Da setzen sich Schwarzweiß-Streifen in leuchtenden Farben fort oder es wechselt das Material. Eine Zigarettenschachtel dient als Bistrotisch, und eine Haarsträhne schneidet ein Gesicht in zwei abstrakte, halbrunde Felder. Das Pathos, mit dem die selbstbewussten Frauen in Pose gesetzt sind, wird durch solche Gegenüberstellung konterkariert.

Mit kräftigen Farben hat die Malerin schon immer hantiert. Nun ist ein raffinierter Umgang mit der zugrunde liegenden Schwarzweiß-Fotografie hinzugekommen: Hausner färbt Lippen, Wangen, Augenbrauen mit zarten Tönen, die an die frühe, nachkolorierte Fotografie erinnern. Oder sie färbt die Umgebung ein, und dadurch wirkt das Schwarzweiß plötzlich ungeheuer vielfarbig: Ein Auge, umgeben von kolorierten Flächen, wirkt so plötzlich wie aus einem Farbbild entnommen.

Ob das der Weg ist, auf dem sie in Zukunft weitergehen will, lässt die Malerin noch offen. Es seien nur Experimente gewesen, Laborarbeiten aus dem Studio, stapelt Hausner tief. Sie kann es sich leisten: Ihre Handschrift bleibt unverkennbar.

Galerie Deschler, Auguststr. 61, Di bis Sa 13 bis 18 Uhr, Tel. 2833288. Xenia Hausner, Damenwahl, Berichte aus dem Labor erscheint im Wienand Verlag, Köln 2003, 23 Euro

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