Kultur : Ohne Moos viel los

Har(t)z drei: „Die Könige der Nutzholzgewinnung“

Julian Hanich

Hausmann Ronnie (Frank Auerbach) streicht morgens seinen fünf Kindern Pausenbrote. Sein Arbeitslosengeld wird demnächst gekürzt. Der beachtliche Umfang seines Bauchs spiegelt seinen Frustrationsgrad nur annähernd wider. Der meist übelgelaunte Bert (Steven Merting) pflegt seine kranke Mutter. Er würde gerne den Status der Frühverrentung erlangen. Sonst hat er wenige Ziele. Und Krischan (Bjarne Ingmar Mädel)? Der Hallodri und Hochstapler kommt nach diversen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Umschulungen und Kleinjobs in seinen Heimatort zurück – und ist dort, wie er feststellt, unterdessen Vater geworden. Weil er keinen guten Ruf im Dorf genießt, haust er in einem Wagen und wäscht sich im Fluss.

Drei Männer Ende 30. Drei hoch verschuldete Ex-Waldarbeiter, die eine Imbissbude mit Tiefkühlbroilern in den Bankrott getrieben haben. „Die Könige der Nutzholzgewinnung“ ist ein Ostharzer Hartz-IV-Film über deprimierte Wendeverlierer. Nun finden sich gewiss Stoffe, die mehr Unterhaltungspotenzial bergen. Andererseits: Gab es nicht „Brassed Off“ und „Ganz oder gar nicht“, diese hochkomischen, hocherbaulichen Underdog-Komödien aus Großbritannien?

Nach dem britischen Muster setzt Regisseur Matthias Keilich als Höhepunkt einen finalen Wettkampf: Die drei Langzeitarbeitslosen organisieren einen Holzfällerwettbewerb mit Tannenzapfenpflücken, Baumstammhacken und Feinschnitt – mit der Kettensäge! Zugelassen sind ausschließlich Arbeitslose. Die Leute im Ort finden das allerdings gar nicht lustig: Sie wähnen die Holzhackerbuam auf dem Holzweg.

Auf selbigem ist allerdings eher der Regisseur. Der Inszenierung fehlen Tempo und Timing der britischen Vorlagen, auch hilft es wenig, die Hauptfiguren als ziemlich unsympathisch darzustellen – eine Falle, aus der sie sich erst am Ende befreien. Wie man Verlierertypen unwiderstehlich macht, hätte sich Keilich etwa in Stephen Frears’ „The Snapper“ und „The Van“ abgucken können. Und doch, irgendwann zieht der diskrete Charme des Heimatfilms: Harzer Wald und Wiesen, röhrende Hirsche im Mondschein, der Brocken mit seiner Bergbahn . . . Andererseits verhehlt der Film nicht, dass es in Sachsen-Anhalt tatsächlich Orte gibt, die „Elend“ und „Sorge“ heißen. Das passt.

Babylon Mitte, Balazs, Cinemaxx Potsdamer Platz, Kulturbrauerei, Naturtheater Friedrichshagen, Union

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