Kultur : Ohne Tamtam

Reinhard Hauff verlässt nach zwölf Jahren die dffb

Jan Schulz-Ojala

Ziemlich unauffällig kam die Nachricht gestern Vormittag, eine Mail unter vielen. Nach zwölf Jahren an der Spitze der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) hört Reinhard Hauff auf. Genauer: Er hat bereits aufgehört, am 1. April. Folgen die Namen zweier verdienter Interimsleiter, Werner Barg und Bodo Knapheide. Neun Zeilen und kein Wort mehr – ist das ein Abschied, wie er zu dem charismatischen Chef der Filmschule passt, der früher Filmregisseur war, und beileibe kein schlechter?

Ja und nein. Ja, weil der 65-Jährige ein ganz und gar unpathetischer Mensch ist. Ja, weil er letzten Sommer, und das ging nicht gerade lautstark rund in der Branche, einen gesundheitlichen Knacks erlebte, von dem er sich – allerdings bloß in Sachen Kondition – bis heute nicht vollständig erholt hat. Ja vor allem, weil er diesen Abschied selber nicht wollte. Schließlich hatte er das Angebot, seinen Vertrag über das reguläre Maß noch zwei Jahre bis Ende 2006 weiterlaufen zu lassen, zunächst locker und froh angenommen. Aber die Rückkehr in den Job, wie der gierige Job es verlangte: Sie ging auch trotz eines starken Willens nicht mehr.

Andererseits: So mir nichts dir nichts geht der Abschied nicht. Nicht nur, weil sich Ehrerbietung gehört vor einem, der etwa mit „Die Verrohung des Franz Blum“ und „Messer im Kopf“ starke Filme gemacht hat und mit „Stammheim“ 1985 den Goldenen Bären holte – auch wenn Hauff kein Aufhebens drum macht. Sondern auch, weil er seine Freiheit als dffb-Chef nutzte und den schönsten Schüler-Laden der Welt profiliert und ausgebaut hat mit den Jahren. Und und und.

Lass man, würde Hauff jetzt sagen. Und wir telefonieren mit ihm und finden ihn, den Alt-Achtundsechziger-Schlaks mit dem scheinbar lockeren Mundwerk, jung wie immer. Hat seinen Abschied also doch so gewollt: keine Reden, kein Brimborium. kein Tamtam. Jung wie immer.

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