Kultur : Ohne Vorhang, nichts dahinter

ELFI KREIS

Bildende Kunst und Kino - das Thema liegt seit einiger Zeit in der Luft: 1996 war in Los Angeles die Schau "Halls of Mirrors" den vielfältigen Bezügen zeitgenössischer Kunst zum Film auf der Spur.Zuletzt zeigte das Künstlerhaus Wien die Ausstellung "Ghost Story" dazu.In Berlin konzipierte Heike Dander für das Künstlerhaus Bethanien nun die Ausstellung "Das Tarantino-Syndrom".Sie ist Teil der Veranstaltungsreihe "The Cinema Project", das parallel Kinoprogramme und Gesprächsrunden mit Gästen wie Laurence Weiner, Mike Kelley, Douglas Gordon bietet.Zur Diskussion stehen Filme namhafter Künstler wie auch von Nachwuchstalenten, Experimental- neben Kinofilmen von Klassikern der Filmkunst bis zum B-Movie.

Der Ausstellungstitel ist einprägsam, hat aber keine tiefere Bedeutung.Die Kuratorin wählte ihn, weil der Regisseur von "Pulp Fiction" Kultstatus genießt und sein Name sofort "Kino" signalisiert.Zu sehen sind Werke von 13 Künstlern, die vom Film ausgehen, ihn aber nicht als Medium benutzen.Die Schau konzentriert sich auf Vertreter der "jungen" Generation zwischen 30 und 40.Zwei Stills von Cindy Sherman aus den 70ern sowie von Warhol sind Ausnahmen.Was aber fällt der Kuratorin bei Warhol zum Kino ein? Sie offeriert die Marilyns, wie einfallslos! Nebenan verstärken zwei wie in einer Ecke abgestellte Fototafeln Douglas Gordons von 1995 den Eindruck des name dropping.Von dem vielfach ausgezeichneten schottischen Künstler hätte man gern eine repräsentativere Installation gesehen.

Zum Auftakt inszeniert eine Fotografie von Bridget Smith große Erwartung.Anders aber als auf ihrer glamourösen Farbaufnahme ist in der Ausstellung vielfach der Vorhang schon offen.Wie bei einem Episodenfilm reiht sich eine Einzelarbeit an die andere.Dafür ragt die Arbeit der Kanadierin Cindy Bernard heraus.Sie bearbeitet für ihre Serie "Location Proposals" Schauplätze bekannter Filme am Computer.In Hitchcocks "Vertigo" verschwindet Kim Novak plötzlich in einem Wald von Mammutbäumen.Bernard verwandelt diese Szenerie in eine Bildkulisse von extremer Künstlichkeit.Mittels Diaprojektion transplantiert sie diese wiederum in die Wirklichkeit, an eine nächtliche Bushaltestelle in Treptow.Nun fotografiert sie das Ganze erneut.In der Ausstellungssituation wird daraus die Lichtbildprojektion eines verwirrenden Labyrinths zwischen realem Schein und künstlichem Sein.

Eine Brückenfunktion zwischen Kunst und Kino übernimmt das vom Künstlerduo Wolfgang Winter und Berthold Hörbelt im Innenhof des Bethanien errichtete "Lichtspielhaus".Wie schon bei ihrem Beitrag für das Skulpturenprojekt Münster 1997 wurde der Zwitter zwischen funktionaler Architektur und Plastik aus Getränkekisten gebaut.Tagsüber steht das "Lichtspielhaus" Ausstellungsbesuchern als begehbare Skulptur offen, abends dient es als Vorführraum.

Künstlerhaus Bethanien, Mariannenplatz 2, bis 18.Oktober; Mittwoch bis Sonntag 14-19 Uhr.Kinoprogramm Donnerstag bis Sonntag ab 20 Uhr 30, sonntags anschließend Gesprächsrunden.

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