Kultur : Ohren öffnen

SCHULMUSIK

Ulrich Pollmann

So klappt die Vermittlung von Musik und Konzertkultur in der Schule: Im Rahmen des „open your ears“ - Projekts des Konzerthauses wird seit nunmehr vier Jahren modernes Musiktheater in die Klassenräume getragen. Mitarbeiter des Konzerthauses, unterstützt von hervorragenden Musikern, motivieren Schüler, sich dem Stress einer Bühnenproduktion auszusetzen. Dabei wird nicht nur intensiv vor- , sondern auch nachbereitet: Nicht jedes Projekt funktioniert gleich gut, und so stellt das OYE -Team seine Konzepte immer wieder kritisch auf den Prüfstand.

Objekt der jüngsten Bemühungen: Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“ von 1918. Ein auf den ersten Blick recht unspektakuläres Stück, die Musik fällt in die Kategorie Neoklassik, und die Handlung ist nicht eben aufregend. Bei näherer Betrachtung erweist sich Strawinskys Verzicht auf alles Effekthascherische, seine Neigung zur kühlen Distanz aber als Gewinn. Wer angesichts des Entstehungsdatums Bezüge zum ersten Weltkrieg erwartet, wird enttäuscht. Erzählt wird die Geschichte eines Soldaten, der vom Teufel verführt wird. Aber nichts Faustisches ereignet sich, es geht vordergründig um das Verlangen nach der Anhäufung von Gütern, im Grunde aber darum, dass wir nicht loslassen können. Moral: „Man soll zu dem, was man besitzt, begehren nicht, was früher war“, oder anders: Wir müssen den Weg, den wir gehen, akzeptieren. Des Teufels Worte spricht Christian Kersten wundervoll ölig-frivol, die Musik (kunstvoll-schlicht verfremdete Märsche, Choräle und Tänze) intoniert das Ensemble Modern kühl, präzise und unangestrengt. Dazu choreographieren neun Schüler verschiedener Berliner Schulen behutsam das Geschehen.

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