''Om Shanti Om'' : Inderstunde in Mitte

Gott oder Mann? Bollywood-Star Shah Rukh Khan begeisterte seine Fans.

G,a Bartels
Shah Rukh Khan
Umschwärmt: Shah Rukh Khan. -Foto: ddp

Ein hysterischer Hühnerhaufen sind sie absolut nicht, die aus Nürnberg, Karlsruhe oder Hildesheim angereisten Ladies vom Shah Rukh Khan Fanclub. Im Gegenteil: die deutsche Taskforce des Bollywood-Superstars besteht aus gestandenen Frauen in den besten Jahren, die per Internet top organisiert sind. Das hat auch Wilhelm Faber von der Berlinale gemerkt, der den Festivalbesuch von King Khan organisiert: „Die sind sehr hartnäckig, rufen überall an und wollen alles ganz genau wissen.“ Das Resultat des Ansturms: die erste Fan-Serviceseite auf der Berlinale-Homepage überhaupt.

Gestern stand Fanclubchefin Christane Benner, 50 und im wirklichen Leben Hotelfachfrau, dann mit 500 Luftballons in Orange, Grün und Weiß, den indischen Nationalfarben, am Alex unter der Weltzeituhr, um ihre Mitstreiterinnen vor der Premiere zu treffen. Unter den Mänteln trugen sie schwarze T-Shirts mit dem goldenen Aufdruck „Shah Rukh Khan rocks the world“, auf den Lippen die Liedzeile „Om Shanti Om“ und vor ihnen standen jede Menge neugierige Kamerateams. Die Begrüßungs-Ballons ließen sie abends vor dem Kino International steigen. Da wurde der indische Stargast zur Deutschland-Premiere von „Om Shanti Om“ begeistert am roten Teppich gefeiert.

Was sie an dem rund 1,70 Meter kleinen, 42 Jahre alten Inder mit viel Nase fasziniert? Seine schönen dunklen Augen, das Charisma, seine Schauspielkunst, dass er ein Selfmademan ist, intelligent, interessant, mit dem Mut Tabuthemen in seinen Filmen anzusprechen, ein toller Geschäftsmann – Benner und den anderen fällt da allerlei ein. Die drei Milliarden Fans weltweit kämen ja nicht von ungefähr. Mit ihrer Willkommensaktion an der Karl-Marx-Allee und dem Fanclub wollen sie dafür sorgen, dass es in auch Deutschland noch massenhaft mehr werden.

„Die Berlinale hatte ja gar keine Ahnung, wen sie da eingeladen hat“, kommentiert Christiane Benner die Tatsache, dass die Tickets ratzfatz weg waren und für gestern kurzfristig eine Zusatzvorstellung anberaumt wurde. Und dann erzählt sie, dass sie die bei ihr in Nürnberg anrufenden Polizisten der für Alex und International zuständigen Abschnitte erstmal erfolgreich in Sachen Sicherheit aufgescheucht habe. „In Asien ist Shah Rukh Khan schließlich Gott!“ Für sie auch? „Nein, nur ein Mann!“

Da ist Kathleen Huber, 21, aber ganz anderer Meinung. Sie stand schon seit morgens um acht mit einem Haufen Berliner Freundinnen bibbernd vor dem International und blockte den besten Platz am roten Teppich. „Shah Rukh Khan ist für mich das höchste, einfach Gott“, beteuert sie treuherzig, „wegen ihm habe ich seit fünf Jahren keinen Freund mehr!“ Mit ihm könne keiner mithalten, fallen die Mädels lachen ein: „Er ist unser König der Herzen!“. Erst recht, als das Gerücht durchsickert, Khan habe soeben angekündigt, dass er einige Szenen seines nächsten Films in Berlin drehen wolle. Und Kina Alp, 18, die im Indian Store in der Potsdamer Straße arbeitet und Mittwoch noch völlig aufgelöst war, weil sie keine Premierenkarte abbekam, zeigt mit glückseligem Lächeln ihre nachträglich eroberte Karte. Inderin ist übrigens keine der quietschenden Truppe. „Aber weil wir Türkinnen sind, finden wir Shah Ruhk Khans Filme so realistisch.“

Dekomäßig habe die Berlinale übrigens völlig versagt, finden die Fans: kein Bollywood-Flitter, keine Banner, keine Pappkameraden. „Das ist doch peinlich, wenn Shah Rukh das sieht. Woanders geht er über goldene Tücher! Hier kann er gar nicht sehen, dass es um ihn geht.“ Und dass, wo die Berlinale extra lebensgroße Khan-Aufsteller mit nacktem Oberkörper aus Indien einfliegen ließ, wie Wilhelm Faber weiß. Aber nur für den Kinosaal, „sonst prügeln sich draußen noch die Fans darum.“

Keilereien um den besten Autogrammplatz gibt es unter den bodenständigen Fanclubfrauen keine. Die betrachten ihre Liebe zum Star sogar als Fortbildung in Englisch, Internet, Hindi und indischer Kultur. „Nein, dass Indien genau so ist wie im Masala-Movie, glauben wir nicht“, lachen sie.Gunda Bartels

Im Babylon Mitte läuft eine „Tribute to Shah Rukh Khan“-Filmreihe:

www.babylonberlin.de oder Tel. 242 59 69.

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