Kultur : One Day in Italy

Außer Konkurrenz (2): der Kombi-Film „Tickets“

Christina Tilmann

Für Hannes Stöhr waren es Flugzeug und Taxi. Die etwas altmodischeren Genossen Ermanno Olmi, Abbas Kiarostami und Ken Loach nehmen lieber den Zug, wenn sie sich in „Tickets“ gemeinsam auf die europäische Reise machen. Weil man im Zug so gut träumen kann, von einer blonden Sekretärin (Valeria Bruni Tedeschi) zum Beispiel, von heißen Sommernächten und einem kleinen Mädchen am Klavier, wie der müde Professor (Carlo Delle Piane) in Ermanno Olmis Episode. Weil manchmal alle Mitreisenden so nerven wie in Abbas Kiarostamis Filmdie italienische Wuchtbrumme Silvana De Santis, die sich als Generalswitwe berechtigt fühlt, erste Klasse zu reisen, auch wenn sie zweite Klasse gebucht hat. Und weil Zugfahren billiger ist, und einfacher, um Mädchen aufzureißen, hoffen die drei schottischen Fußballfans in der gelungenen Abschlussepisode von Ken Loach.

Die Filmregisseure aus Italien, dem Iran und Großbritannien hatten sich zu diesem Episodenfilm zusammengetan, weil sie sich in ihrem Anliegen verwandt fühlen. Die Ergebnisse sind dann allerdings doch sehr verschieden: skurrile Fantasien mit surrealen Elementen bei Olmi, schräge Komik bei Kiarostami und krasser Sozialrealismus bei Loach. Dass im europäischen Zug auch Immigranten mitreisen, verbindet die Episoden. Sie wären die eigentliche Geschichte gewesen.

Heute, 15 und 21 Uhr (Urania)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben