Kultur : "Onegin": "Rivalität spielt keine Rolle" (Interview)

Erst die Schauspieler Ralph,Joseph[nun Sie -]

In ihrer Heimat England ist sie als Werbefilmerin erfolgreich. Nun zieht es sie zum Kino - und zwei ihrer Brüder gleich mit in ihren ersten Film "Onegin": Ralph ("Der englische Patient") spielt eine Hauptrolle, Videoclip-Produzent Magnus hat die Musik geschrieben. Mit Martha Fiennes sprach Georg von Grote.

Erst die Schauspieler Ralph und Joseph, nun Sie - und Magnus, der Komponist: Wie viele Mitglieder der Familie Fiennes kommen denn noch auf uns zu?

Wir sind sechs Geschwister. Ralph ist der älteste, dann komme ich, dann Magnus, dann meine jüngere Schwester Sophie. Die jüngsten sind die Zwillinge Joseph und Jake. Aber Jake hat mit Kino nichts zu tun. Er beschäftigt sich am liebsten mit Videospielen und ballert auf Predator-Figuren herum.

Schon Ihr Vater war Fotograf, ihre Mutter Malerin und Schriftstellerin. Kreativität liegt wohl in der Familie.

Meine Mutter war und ist eine sehr dominante Person, die sehr viel Wert gelegt hat auf unsere Ausdrucksmöglichkeiten. Nicht nur sprachlich. Sie hat uns immer wieder zur Genauigkeit angetrieben. Dass wir beim Film gelandet sind, ist wohl eher Zufall. Fernsehen war bei uns zu Hause sogar verboten. Auch Kinobesuche waren ein Problem: Wir sind auf dem Land aufgewachsen. Das nächste Kino war weit weg. Ralph ist erst in der Universität mit Kino in Kontakt gekommen. Er wusste dann sofort, dass es das ist, was er wollte.

Er spielt in Ihrem Film die Hauptrolle. War das von Anfang an beabsichtigt?

An dem Projekt habe ich jahrelang gearbeitet. Ralph hat sich von Anfang an dafür interessiert, aber nicht unter dem Aspekt, dass er darin mitspielen wollte. Als es dann konkret wurde und er zusagte, war ich sehr erleichtert.

Schafft es nicht Probleme, den so berühmteren Bruder mit auf dem Set zu haben?

Nicht bei Ralph. Wir sind alle in der Familie sehr eng miteinander verbunden. Es gibt keinen Neid, eher Freude über den Erfolg des anderen. Also auch kein Autoritätsproblem.

Warum haben Sie sich gerade für "Onegin" entschieden, den Versroman Puschkins?

In diesem Roman liegt so viel Gefühl, so viel tragische Liebe. Bei britischen Autoren findet man so viel Emphase doch eher selten. Und ich habe viel gelesen seit meiner Kindheit, ich glaube schon zu wissen, wovon ich spreche.

Werden sich Ihre nächsten Projekte in derselben Sphäre bewegen?

Vielleicht. Ja, es sollte eine Literaturverfilmung sein. Ich wollte auch schon die Rechte einer britischen Schriftstellerin kaufen. Aber sie hat abgelehnt mit der Begründung, der Roman sei in der gedruckten Form für sie perfekt.

Hat sie denn nicht recht, zumindest aus ihrer Perspektive?

Wahrscheinlich. Aus einem perfekten Roman einen perfekten Film zu machen, gelingt nur selten. Besser, man macht aus einem mittelmäßigen Roman einen guten Film.

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