Kultur : Opas Museum

Wenn nach dem Besonderen Berlins gefragt wird, dann ist zumindest eine Antwort sicher: die Kultur und vorneweg die Museen.So gehört es auch zu einem der weniger glücklichen, dennoch gerne angebrachten Bonmots des Kultursenators, daß die Stadt mehr Museen als Regentage habe.Zum Jahreswechsel nun hatte er immerhin eine unstrittig gute Nachricht: Nachdem Berlin schon 1996 zehn Prozent mehr Museumsbesucher als im Vorjahr zählte, steigerte sich diese Ziffer 1997 noch einmal um 8,4 Prozent auf 7,057 Millionen.Eine beachtliche Zahl, denn bundesweit gab es gleichzeitig ein Minus von 0,6 Prozent.Gewiß, dieser Erfolg ist vor allem den Touristen zu verdanken, die in die Ausstellungshäuser strömen; aber auch das Freizeitverhalten insgesamt hat sich geändert, denn die Museen werden nicht länger als bildungsbürgerliches Bollwerk, sondern als Ort für Kurzweil und Unterhaltung begriffen.Die Ende dieser Woche zum fünften Mal stattfindende "Lange Nacht der Museen" wird wieder Zehntausende auf die Beine bringen, um etwa im Naturkundemuseum asiatische Leckereien zu genießen oder in der Abgußsammlung antiker Plastik bei Drinks und Snacks den Klängen von Swing und Bepop zu lauschen.Auf die Kombination kommt es also an.Gerade die Verbindung der sonst Ehrfurcht einflößenden Institutionen mit leichtfüßigen Divertimenti lockt, die Aura des Ungewöhnlichen, ja, Unerlaubten.

Routinier auf diesem Gebiet ist der Museumspädagogische Dienst, der seit mittlerweile zwölf Jahren zu Lesungen, Musik und Tanzdarbietungen in die Museen lädt.Aus der Not geboren, weil sich im Veranstaltungskalender der Stadt zwischen Silvester und Grüner Woche ein großes Loch auftat, hat sich "Schauplatz Museum" in den letzten beiden Januarwochen seinen festen Platz erobert.Allen Anfragen zum Trotz, ob diese kulturellen Schmankerl nicht besser über das ganze Jahr gestreut wären, um kontinuierlicher das Interesse zu halten, wollen die Macher den Festivalcharakter bewahren.Der Erfolg spricht dafür; schon vor dem Start war die Hälfte der rund sechzig Veranstaltungen ausgebucht.

Und dennoch steckt "Schauplatz Museum" in der Krise.Sie zeigt, wohin der einstige Aufbruch, neue Besucherschichten für das Museum zu gewinnen, führen kann: in jenes Eckchen bildungsbürgerlicher Beschaulichkeit, das man eigentlich gerade verlassen wollte.Das Rezept "bekannter Schauspieler liest Texte der Antike oder Aufklärung plus kleines Ensemble in der charmanten Kulisse eines Rokokosaals oder der Umgebung von Originalgemälden" funktioniert nicht, wenn man auch jüngere Leute ansprechen will.Jene Handvoll Besucher, die zu den kleinen, feinen Veranstaltungen kommt, gehört ohnehin zum Stammpublikum der Ausstellungshäuser.

Da hat es fast eine ironische Note, wenn das "Schauplatz"-Motto dieses Jahr "Der / die / das Fremde" lautet, zumal einem das Programm zunehmend gewöhnlich, ja langweilig erscheint.Die wahren Entdeckungen lassen sich eben weniger mit von Leinwand und Bühne herabgestiegenen Schauspielern, besonders passenden Texten und ein wenig Gambenspiel machen, sondern beim Ausprobieren neuer Formen."Opas Museum lebt", hatte der Vertreter des Kultursenators in seiner Eröffnungsrede für "Schauplatz Museum" noch jubiliert.Ganz offensichtlich denkt man in seinem Hause noch in den Dimensionen von Opas Museum und ist heilfroh, daß diese Institution noch lebt.Museumsleuten wie -besuchern sollte eine solche Einstellung allerdings suspekt sein, denn Museen gewinnen schließlich ihre Bedeutung daraus, daß sie im Leben stehen, Erkenntnisse und visuelle Erfahrungen allen Generationen vermitteln können.

Der "Schauplatz" könnte hier eigentlich ein hochspannendes Forum bilden.Und an Interesse für neue Formen der Begegnung auch mit alter Kunst dürfte es auch nicht mangeln.Die Eröffnungen in Kunstvereinen, kommunalen Galerien, unabhängigen Ausstellungshäusern in den letzten Tagen, der gestrige Galerien-Rundgang in Mitte haben wieder gezeigt, wie groß in dieser Stadt das Interesse an Kunst ist.Zeit also auch für "Schauplatz Museum", aus seiner Nische zu kommen.Denn das Besondere Berlins mag zwar in der Kultur, in den Museen bestehen, attraktiv aber wird es erst durch deren Lebendigkeit.

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