Kultur : "open your ears": Schönheit von innen

Alexander Haas

Es Ist 15.30 Uhr, und der Musik-Lehrer am Kreuzberger Waldorf-Gymnasium beginnt den Grundkurs Musik: "Der Komponist des heutigen Abends..." Ist anwesend. Zusammen mit Katrin Zagrosek und Sinje Steinmann vom Konzerthaus Berlin leistet der Komponist Sebastian Claren Vermittlungsarbeit in Sachen Neue Musik. Zielgruppe von "open your ears" sind insbesondere jüngere Menschen, und so begeben sich die drei in die Niederungen: Schulbesuch.

Der 1965 geborene Sebastian Claren erzählt, dass er sich von aktuellen Musikstilen angeregt fühle. "Das Entscheidende sind ohnehin Klangfarbe und Rhythmus." Stühlerücken. Die beiden jungen Frauen vom Konzerthaus leiten über zum allgemeineren Gespräch über Neue Musik. Welche Erfahrungen haben die Schüler bisher mit Neuer Musik? Ein Mädchen meint, ihr fehle der Übergang zwischen Klassik und Neuer Musik. "Das ist zwar interessant, aber ich fühle nichts dabei". Ein anderer: "Ich vermisse die Schönheit in dieser Musik." Der Komponist verteidigt seinen Stand: "Was die Menschen für Schönheit halten, ist veränderlich. Der Inbegriff von klassischer Schönheit, das Geigen-Vibrato, ist erst 1920 erfunden worden." Aber er sagt auch: Das Ziel, das er als Komponist verfolge, heiße sehr wohl emotionale Intensität. Schönheit. Eine Schülerin wirft ein, dass dies aber keine normalen Gefühle sein könnten. Allgemeines Gelächter, auch beim Komponisten.

Zum Schluss spielt Sebastian Claren eines seiner Werke auf CD vor. Davor aber legt er noch eine Minimal-Techno-CD ein. Erstauntes Raunen bei einigen Schülern. Versetzte Beats, disparate Sounds. Claren erzählt, dass er sich von dieser Musik habe inspirieren lassen. Dann 12 Minuten beat-lose Kost. Doch schwierig scheinen nur die ersten Minuten. Danach: intensives Zuhören. Ein paar schließen die Augen. Andere führen ihre Finger an die Schläfen. Kopfmusik.

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