Kultur : Oper: Nicht aus Pappe

Carsten Niemann

Singende Könige mit funkelnden Kronen gab es am Sonnabend auf Berliner Musiktheaterbühnen gleich zwei zu sehen. Der in der Staatsoper hieß Macbeth, rollte die Augen, schwang das Mörderbeil und war nach drei Stunden selber tot. Der im Foyer der Komischen Oper war ein Troll, rollte die Augen, lud sich einen Geiger in sein Reich und tanzte nach fünfzig Minuten lustige Volkstänze. Glücklich das Premierenpublikum in der Komischen Oper: Die Kleinen, die sich Peter Maxwell Davies 1978 entstandene Kinderoper "Die zwei Fiedler" ansahen, brauchten sich den Spaß nicht durch Gedanken über die ästhetische Bedenklichkeit von Papp- und Plastikkronen verderben zu lassen (weitere Aufführungen: 19.11., 2.12., 3.12.). Eher vielleicht durch die ehrenwerte, aber etwas einfältig daherkommende Moral des Zivilisationskritikers Maxwell Davies: Auf dem Dorf und bei den Trollen ist man ausgelassen und tanzt zur Fidel, in der Stadt trägt man schicke Anzüge, hetzt sich ab und vergisst die Musik. "Was nützt einem diese Erkenntnis", mochte es den Großstadtkids durch den Kopf gehen, als mitten in der Aufführung plötzlich ein Eltern-Handy klingelte. Da war es ein Glück, dass das Plädoyer für die Kraft von selbst gemachter Musik und selbst gemachtem Theater in Werner Sauers bunter, spielfreudiger und bewundernswert exakter Inszenierung viel eindringlicher geriet als die Verklärung des Landlebens. Dieses Glück hatten Regisseur und Publikum der Spielfreude des sicher singenden und agierenden Kinderchores der Komischen Oper ebenso zu verdanken, wie dem souverän aufspielenden Orchester des Musikgymnasiums "Carl Philipp Emanuel Bach" (Leitung: Lutz Kohl) und den vier erwachsenen Nachwuchssolisten - allen voran dem Fiedler Manuel Wiencke, der nicht nur elegant singen, sondern auch überzeugend Geige spielen kann. Diese Requisite war nämlich nicht aus Pappe.

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