Kultur : Opera alla berlinese

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Frederik Hanssen besucht

die MusiktheaterGerüchteküche

Das große Palaver um die Zukunft der Berliner Opern lässt immer mehr an eine italienische Tomatensoße denken: Je länger man die Chose auf kleiner Flamme köchelt, desto besser. Allerdings beruht das Erfolgsgeheimnis beim klassischen sugo darauf, dass la mamma mit ihrer ganz persönlichen Geschmackssicherheit und feinem Traditionsbewusstsein entscheidet, was in den Topf kommt. In der Hauptstadt dagegen meint inzwischen jeder, der noch einen Löffel halten kann, er müsse dringend seinen Ketchup zum Gelingen des großen Ganzen beitragen. So viele Ideen sind in den vergangenen Jahren im Berliner Musiktheater-Kessel gelandet, dass längst mehr Augen herausschauen als hinein.

Am Montag geisterte das jüngste Gerücht durch die Szene: Die Deutsche Oper werde nun doch mit der Staatsoper fusioniert, wie vor zwei Jahren von Christoph Stölzl vorgeschlagen. Diesmal gäben allerdings nicht in erster Linie Stellenstreichungspläne den Rahmen vor, sondern baupolizeiliche Überlegungen. Die Leitung der Staatsoper hat vergangene Woche den Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses, das mächtigste Geldvergabegremium des Berliner Parlaments, durch das marode Gebäude geführt. Jetzt könnten, so hört man, Unter den Linden bald die Umzugswagen vorfahren und die ganze Mannschaft nach Charlottenburg bringen, ins Domizil der Deutschen Oper. Dort müsste der Spielbetrieb dann abwechselnd gefahren werden, während über die technisch stillgelegten Bühnenbretter der Lindenoper bis zum Beginn der Renovierungsmaßnahmen am SanktNimmerleinstag nur noch konzertante Aufführungen und Konzerte gehen könnten. Ein schwerer Brocken für den musikalischen Sugo, in dem schon Antje Vollmers Opernstiftungs-Szenario, Richard von Weizsäckers „Kulturforum Mitte“, die Idee eines Festspielhauses Unter den Linden und noch so manche andere schwer verdauliche Zutaten herumschwimmen.

Und was macht Berlins Kultursenator? Er steht daneben und findet es prima, dass sich so viele mit ihrem Geschmack in das Kochexperiment einbringen. Nicht alles selbst bestimmen zu wollen, ist keine schlechte Sache – andererseits kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, der staatlich bestellte Küchenmeister habe kein Rezept. Es gibt nur ein Problem: Die Künstler und ihr Publikum müssen es am Ende auslöffeln.

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