OPER„Mazeppa“ : Das Gestrüpp lichten

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Sensation! Zum ersten Mal wird an der Komischen Oper ein fremdsprachiges Werk nicht auf Deutsch gesungen! Die Lordsiegelbewahrer Felsenstein’scher Traditionen haben schon vorher vernehmlich die Stirn gerunzelt und unterstellen dem rührigen Intendanten Barrie Kosky gerne rücksichtslose Bilderstürmerei. Dabei hat er gute Gründe für seine Entscheidung. Nicht jede Musiksprache lässt sich sinnvoll synchronisieren. Wer Wagner auf Englisch oder Dvorak auf Deutsch gehört hat, ist ewig dankbar für die Entscheidung, Tschaikowski in der Originalsprache zu belassen. Die Handlung ist auch so verständlich: Politische Intrigen, tragische Verwicklungen und wie immer bei Tschaikowski eine unerfüllte Liebe bieten den Anlass für eine Komposition, die ähnlich elegisch ist wie „Eugen Onegin“ und ebenso dramatisch wie „Pique Dame“.

Dass „Mazeppa“ so selten aufgeführt wird, liegt an der verworrenen Erzählweise, die das heutige Opernpublikum kaum mehr zu schätzen weiß. Wir sind durch die Knall-auf-Fall-Dramaturgie eines Strauss oder Puccini verdorben für die umständlichen Storys des 19. Jahrhunderts. Damals hatten Künstler und Publikum Spaß an langwierigen Geschichten und nahmen es mit realistischen Begründungen der übergroßen Emotionen nicht so genau. Für den Regisseur Ivo van Hove besteht nun die Herausforderung darin, das Handlungsgestrüpp aus Liebe und Melancholie, Politik und Herzschmerz einigermaßen zu ordnen und doch in seiner Fremdheit zu belassen. Der neue Generalmusikdirektor Henrik Nánási hat die Stummfilm-„Zauberflöte“ extrem unsentimental dirigiert und kann nun zeigen, ob er auch auf die Tränendrüse drücken kann, ohne in Kitsch abzugleiten.Uwe Friedrich

Komische Oper, So 24.2., 18 Uhr, 12-85 €

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