Operndorf : Schlingensiefs Theatertraum in Afrika wird wahr

Der an Lungenkrebs erkrankte Berliner Regisseur Christoph Schlingensief hat am Montag den Grundstein für sein "Operndorf“ in Burkina Faso gelegt. Bis Oktober soll eine Schule für Musik- und Filmunterricht, Theaterräume und eine Krankenstation entstehen.

Wilfried Mommert[dpa]
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"Helfen und Schönheit kommen zusammen", sagt Schlingensief über sein Projekt. -Foto: dpa

Berlin/OuagadougouEs ist erreicht: Christoph Schlingensiefs langgehegter Theatertraum in Afrika wird wahr. Bei der Grundsteinlegung für sein „Operndorf“ in Burkina Faso rief er am Montag sogar Goethes Faust als „Schutzpatron“ an, umrahmt von folkloristischen Darbietungen in Anwesenheit von Stammeshäuptlingen der Region wie auch Vertretern aus Kultur und Politik. „Ein Traum wird wahr, den zu verwirklichen vielleicht etwas anstrengend ist. Aber ich kann nur staunen und bin sehr, sehr glücklich“, sagte der an Lungenkrebs erkrankte Regisseur am Montag.

„Verweile doch, du bist so schön! Es kann die Spur von meinen Erdetagen nicht in Äonen untergehn. Im Vorgefühl von solchem hohen Glück genieß' ich jetzt den höchsten Augenblick.“ Mit diesem „Faust“- Zitat und dem ersten Spatenstich in Laongo unweit der Hauptstadt Ouagadougou erfüllt sich 49-jährige Berliner Regisseur, der mit Filmen wie „Das deutsche Kettensägenmassaker“ bekannt wurde und in Bayreuth Richard Wagners Weltabschiedsoper „Parsifal“ inszenierte, einen Herzenswunsch.

Schlingensiefs Operndorf in Afrika
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08.02.2010 17:0508.02.2010: Der Berliner Regisseur Christoph Schlingensief (49) legt den Grundstein für sein "Operndorf" im afrikanischen Burkina...


„Von Afrika lernen“ steht als Motto über dem gesamten Projekt, das auch Bundespräsident Horst Köhler und andere Prominente wie der Sänger Herbert Grönemeyer, der Schriftsteller Henning Mankell und Hollywood-Regisseur Roland Emmerich unterstützen. Und ein Goethe- Zitat zur Grundsteinlegung mag auch eine kleine Reverenz vor einem anderen Projektpartner sein - dem Goethe-Institut, das seine Aktivitäten in Afrika verstärken will und ebenso wie Köhler auf die Kreativität der Afrikaner setzt. Dabei muss man aber auch akzeptieren und respektieren, „wenn dabei etwas anderes herauskommt, als man erwartet“, meinte Schlingensiefs Planungsarchitekt, der aus Burkina Faso stammende und in Berlin lebende Francis Kéré.

Auf dem etwa fünf Hektar großen Gelände eine knappe Autostunde von der Hauptstadt entfernt sind eine Schule für 500 Kinder und Jugendliche mit Klassen für Musik- und Filmunterricht sowie Theater- und Veranstaltungsräume, Werkstätten und eine Krankenstation geplant. Im Oktober sollen die ersten Klassen den Unterricht aufnehmen. Kulturminister Filippe Savadogo hob bei der Grundsteinlegung denn auch den Ausbildungscharakter des „Operndorfes“ hervor, das erneut zeigen werde, das sein Land über kreative Ressourcen und künstlerische Nachwuchskräfte verfüge.

Schlingensief versteht sein Projekt nicht als „reine Privataktion“ und freut sich über die zahlreichen Spenden auch von vielen ungenannten Sponsoren, aber natürlich auch über die Unterstützung prominenter Freunde wie Sänger Herbert Grönemeyer, Hollywood- Regisseur Roland Emmerich („2012“) und Krimiautor Henning Mankell. „Es geht mir hier nicht um Kunst l'art pour l'art, also um ihrer selbst willen, sondern vor allem darum, dass Leben und Politik kunstvoller gemacht werden sollen, Helfen und Schönheit kommen zusammen, die Reinheit des Lebens und der Kunst vereinen sich“, sagte Schlingensief.

Dabei stehen für ihn vor allem die Kinder im Mittelpunkt. „Sie brauchen Zeit für ihre eigenen Bilder und Farben ihrer Kultur. Dabei wollen wir ihnen helfen, ohne den großen Zeigefinger des weißen Mannes aus Europa.“ Also „kein abgehobenes Bayreuth, keine Ramba- Zamba-Veranstaltung, kein Rotwein-Scheiß und auch keine Reißbrett- Ruine nach dem Motto «Die Weltmeisterschaft ist zu Ende und dann hauen wir alle wieder ab« - im Gegenteil, ich komme schon im März zu meiner ersten Inszenierung nach Ouagadougou wieder.“

Im vergangenen Jahr war Schlingensief, der seine Krankheit auch in Theaterprojekten wie „Mea Culpa“ in Wien oder „Sterben lernen“ in Zürich verarbeitet hat, auf Lesereise mit seinem Buch „So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein! - Tagebuch einer Krebserkrankung“. Jetzt will der 49-Jährige über seine Krankheit nicht weiter reden, nur so viel: „Ich bin mit meinem Arzt ständig in Kontakt und bei ihm in guten Händen.“

www.schlingensief.com
www.festspielhaus-afrika.com 

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