Opernhaus des Jahres : Theater Basel verteidigt Titel

Bislang war das nur Stuttgart vergönnt in der legendären Ära Zehelein: Zum zweiten Mal in Folge ist das Theater Basel "Opernhaus des Jahres".

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Der Erfolg gehe vor allem auf die „vorausschauende und kommunikative Arbeit“ des Hauses zurück, so die Begründung der Zeitschrift „Opernwelt“. Mit Produktionen wie Jetske Mijnssens „Butterfly“-Inszenierung (in der Titelpartie die Nachwuchssängerin des Jahres, Svetlana Ignatovich), Janámeks „Aus einem Totenhaus“ (Regie Calixto Bieito) oder Cavallis „La Calisto“ (Regie Jan Bosse, Musikalische Leitung Andrea Marcon) hätten Intendant Georges Delnon und sein Operndirektor Dietmar Schwarz das Profil geschärft, eine kluge Ensemblepolitik betrieben und für Kontinuität gesorgt.

Wenngleich die Kritikerumfrage der „Opernwelt“ als repräsentatives Instrument fragwürdig ist und bleibt (wenige sehen alles, viele sehen weniges), so bedeutet dies natürlich einen schönen Erfolg – prospektiv sogar für Berlin. 2012 tritt Dietmar Schwarz die Nachfolge von Kirsten Harms an der Deutschen Oper an und wenn ihm die Umstellung vom eidgenössischen Stagione-System zum preußischen Repertoire-Betrieb nur halbwegs gelingt, dann hat man offenbar Grund zur Freude. Der Chor der Deutschen Oper scheint sich darauf bereits eingestellt zu haben: Er ist „Chor des Jahres“. Und auch Ingo Metzmacher (Dirigent des Jahres), Stefan Herheim (Regisseur des Jahres) und Aribert Reimann (seine Wiener „Medea“ ist Uraufführung des Jahres) waren und sind Berlin eng verbunden.

Die saure Gurke, das „Ärgernis des Jahres“, geht diesmal nach München: Der kulturpolitisch rüde Umgang mit den Dirigenten Christian Thielemann und Kent Nagano wird ebenso getadelt wie diverse Flops an der Bayerischen Staatsoper. Die Zeiten, da Berlin vornehmlich in dieser Rubrik zu finden war, sind also vorbei. Und schon wieder ein Problem weniger für Dietmar Schwarz: Die Kritiker, die er nach Basel oftmals hat einladen müssen, kommen ab 2012 bestimmt von ganz allein. Kostenfrei.

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