Kultur : Opernstreit: Opposition zu Stölzls Reform-Pleite: "Burnout-Syndrom"

F. H.

Berliner CDU-Mitglieder können derzeit Kritik an ihren Führungskräften nicht gut wegstecken. Bei der Diskussion über die Bühnenstrukturreform im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses gab es während der Statements von SPD und Opposition so viele Zwischenrufe von der rechten Saalseite, dass die Ausschussvorsitzende Monika Grütters (CDU) einschreiten musste. Die Tiefausläufer der parteipolitischen Großwetterlage überschatteten das Fachgremium, der Gedankenaustausch über die Zukunft der Bühnen uferte in aggressives Rechts-Links-Gerangel aus.

Nur einer ragte als Fels aus der Brandung: Kultursenator Christoph Stölzl. Wortreich und mit nie erlahmendem Optimismus warb er für jeden einzelnen der Reform-Krümel, die auf dem Weg durch die Gremien der großen Koalition von seinem ursprünglichen Konzept übrig geblieben waren. Zum Beispiel das virtuelle BerlinBallett: Praktiker hätten ihn überzeugt, dass es klüger sei, die drei Kompanien in ihren Häusern zu belassen - jedoch mit einem einzigen Manager versehen, der darauf achtet, dass die im jeweiligen Opernetat zugesagten Budgets auch tatsächlich dem Tanz zugute kommen. Oder der Opernrat, in dem die Spielpläne der drei Musiktheater koordiniert werden. Der Senator werde als Vorsitzender nicht wie ein Planwirtschaftler die Kunstfreiheit einschränken, sondern lediglich die "Protokollführung" übernehmen.

Die Opposition freilich erklärte, Stölzls Reformprojekt sei an der Kulturfeindlichkeit der großen Koalition gescheitert und der Senator nach kaum einem Dienstjahr vom "kulturpolitischen "Burnout-Syndrom" gezeichnet. Das wollte der nicht auf sich sitzen lassen, holte zum Schlag gegen die SPD aus - und zu einem seiner eloquenten Plädoyers für die Kultur: Die sei nämlich der "Herzmotor moderner Informationsgesellschaften", wie wissenschaftliche Arbeiten und repräsentative Befragungen bewiesen: Bei einer Forsa-Umfrage im letzten Jahr hätten sich 60 Prozent dafür ausgesprochen, bei der Kultur zuletzt zu sparen. Er sei es leid, dass diese Tatsache immer weggeredet werde. Zumal das Argument der SPD-Senatoren, kein Ressort dürfe vor den anderen "privilegiert" werden, auf die Kultur nicht zutreffe: Sein Modell der Vierjahresverträge für die Bühnen sei kostenneutral. Die vorgesehenen 1,5 Prozent Tarifausgleich für die letzten beiden Jahre der Laufzeit werde durch einen Abbau von 27 Stellen in seinem eigenen Haus gegenfinanziert - nach dem Motto "tausche Verwaltung gegen Kunst".

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