Orchester der Deutschen Oper Berlin : Alles ist Rhythmus und Farbe

Festzug der Klangcharaktere: Das Orchester der Deutschen Oper Berlin spielt Mahlers 3. Symphonie, Donald Runnicles dirigiert.

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Donald Runnicles
Donald RunniclesFoto: Imago

Die Posaune singt und krönt mit ihrem flexiblen Gesang, dem das Englischhorn romantisch antwortet, den gewaltigen ersten Satz der dritten Symphonie von Gustav Mahler. Chefdirigent Donald Runnicles ist überzeugt, dass sein Orchester der Deutschen Oper etwas ganz Besonderes zu Mahler zu sagen habe, „gerade weil es ein Opernorchester ist“. Und er spricht von der „erzählerischen Anschaulichkeit“ des Werkes.

Tatsächlich erscheint die Aufführung, als habe der Komponist eine Hommage an ein Orchester entwerfen wollen. Der Marschgrund des ersten Satzes wird verfremdet und veredelt zum faszinierenden Festzug der Klangcharaktere.

Grandios der Beginn mit den acht Hörnern und dominierenden Pauken, die Episoden mit den Trompetenmelodien, der Solovioline, den Flötengirlanden, die vorüberziehen: Alles ist Rhythmus und Farbe. Runnicles zeigt sich als Meister präziser Taktwechsel, weil seine Tempovorstellungen aus der Ganzheit der Musik kommen. Und das Orchester klingt an diesem Konzertabend in der Deutschen Oper wie ein Wunderinstrument.

Gerade im Ländler, den der Dirigent tänzerisch leicht nimmt, fällt auf, wie viel neuartige Polyphonie selbständiger Stimmen in der Partitur steckt. Die Klarheit der Interpretation steht dafür ein, dass Mahler keinen spätromantischen Mischklang will. Das Scherzo mit dem Thema des Wunderhorn-Liedes „Ablösung im Sommer“ bezaubert, wenn der Satz das fabelhaft von oben gespielte Posthornsolo einlässt, weil aus der Ferne eine schöne Raummusik initiiert wird.

Ebenso raumfüllend und intensiv singt Ronnita Miller, hinter dem großen Orchester stehend, die Worte von der „tiefen, tiefen Ewigkeit“ aus Friedrich Nietzsches „Also sprach Zarathustra“. Vom Übermenschen indes soll nicht die Rede sein. Die Stimmung wechselt. Denn frisch intonieren Kinder- und Frauenchor des Hauses (einstudiert von Christian Lindhorst und William Spaulding) ihre Glocken- und Wunderhorntexte. Dann wird es noch einmal still. „Ruhevoll. Empfunden“ entfaltet Runnicles den Finalsatz. Der Beifall ist so triumphal, dass man sich mehr solche Konzerte im Charlottenburger Opernhaus wünschte.

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