Orchester der Komischen Oper : Lichtfeier mit Trompete

Håkan Hardenberger eröffnet mit dem Orchester der Komischen Oper Berlin unter Leitung des ungarischen Chefdirigenten Henrik Nánási die Konzertsaison in der Behrenstraße.

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Der Trompeter Hakan Hardenberger.
Der Trompeter Hakan Hardenberger.Foto: Komische Oper/Marco Borggreve

Es beginnt mit der Farbe Rot, während auf dem Flügelhorn langsame tiefe Töne glissieren. Gut aufgelegt, geht das Orchester der Komischen Oper mit synästhetischem Anspruch und Vergnügen in die neue Saison seiner Sinfoniekonzerte. Hören und sehen heißt es in dem Trompetenkonzert mit Live-Elektronik, das der schwedische Komponist Tobias Broström für seinen berühmten Landsmann Håkan Hardenberger erdacht hat.

Hinter dem Titel „Lucernaris“ verbirgt sich die Feier des Lichts, die im Norden zelebriert wird, um gegen die dunklen Tage der Natur anzusingen. Nicht genug damit, dass mittels Lichtregie das Podium, in Rot, Weiß, Blau, Schwarz, Grün getaucht, Korrespondenzen zur Musik bildet, klingende elektronische Einspielungen kommen dazu. Man meint, schwedische Wasservögel am Meer zu hören.

Hardenbergers Trompete trumpft nicht auf, sie signalisiert die Lust am Experiment

Die Trompete aber, die Hardenberger nun zur Hand nimmt, beginnt mit hinreißend makellosen Tönen gegen sich selbst zu konzertieren. Broström an der Live-Elektronik wird zum anderen Ich des Solobläsers, und das Orchester hilft dabei, die Herkunft der Klänge zu verrätseln. Die Trompete signalisiert hier nicht Herrscherwesen und Repräsentation, sondern Lust am Experiment. Als Zugabe spielt Hardenberger „Oblivian“ von Astor Piazzolla, und es ist unglaublich, was für ein Pianissimo, zugleich süß, intensiv und zurückgenommen, ein Künstler wie er auf dem Blechblasinstrument zu zaubern weiß.

Das Orchester der Komischen Oper Berlin, von seinem ungarischen Chefdirigenten Henrik Nánási energisch und flexibel geleitet, rahmt das Solistenkonzert mit „Romeo und Julia“-Kompositionen von Tschaikowsky und Prokofjew. Die Interpretationen der russischen Musik sind von der Art, in ihrer Wildheit und Präzision die Nähe zu Igor Strawinsky zu betonen. Das gilt zumal für die Szenen um die verfeindeten Familien des Paares, die Montagues und die Capulets.

Während die Verteidigung der westliche Avantgarde bei der Ballettmusik Prokofjews eher „artistische Konventionalität“ feststellte, haben prominente Dirigenten von Lorin Maazel bis Simon Rattle längst entdeckt, wie viel Originalität in den Partituren der Suiten steckt.

An diesem Abend wird eine bunte Mischung aus den Suiten Nummer 1, 2 und 3 gespielt: Delikatessen von Streicher-Pizzikati, Flötengirlanden bis Tuba-Kantabilität. Es tanzt das Mädchen Julia, die Balkonszene und Tybalts Tod im Kampf entfalten ihre Bildhaftigkeit so intensiv, dass die Zuhörer nach „Julias Tod“ einen Moment lang in Andacht verharren. Folgt herzlicher Beifall des konzentrierten Publikums.

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