Orden Pour le Mérite : Der Poesie alles verdanken

Der Schriftsteller und Lyriker Durs Grünbein, der schwedische Paläogenetiker Svante Pääbo sowie der deutsche Physiker und Physik-Nobelpreisträger Theodor W. Hänsch wurden bei einem Festakt als neue Mitglieder des 1842 gegründeten Ordens für Wissenschaften und Künste begrüßt.

Man muss sich den Schriftsteller und Lyriker Durs Grünbein als glücklichen Menschen denken, als einen Menschen, der mit sich und seiner Arbeit im Reinen ist. Das sicher auch, weil er gerade in den Orden „Pour le Mérite“ aufgenommen wurde. Vielmehr aber, weil er von sich sagen kann: „Die Poesie hat mein Leben verändert, ihr verdanke ich alles, und wenn ich es mir recht überlege, sogar meine Frau.“

So viel Privatheit gestattete sich Durs Grünbein, im ausdrücklichen Widerspruch zu T. S. Eliots Bonmot „Poetry doesn’t matter“, als er sich am Montagnachmittag im Konzerthaus am Gendarmenmarkt bei der Öffentlichen Sitzung des Ordens „Pour le Mérite“ für die Aufnahme und die Laudatio von Hans Magnus Enzensberger bedankte. Neben Durs Grünbein wurden bei dem Festakt, der im Beisein von Bundespräsident Horst Köhler und seiner Frau stattfand, auch der schwedische Paläogenetiker Svante Pääbo sowie der deutsche Physiker und Physik-Nobelpreisträger Theodor W. Hänsch als neue Mitglieder des 1842 gegründeten Ordens für Wissenschaften und Künste begrüßt.

Ordenskanzler Horst Albach hatte die Sitzung eröffnet und sich dabei für den Zuspruch Köhlers und seine Zusammenarbeit bedankt. Albachs Amtszeit und die seiner Vizekanzler, des Göttinger Biophysikers Erwin Neher und des Schriftstellers Hans Magnus Enzensberger, endet in diesem Jahr. Es folgen ihnen der Theologe Eberhard Jüngel als Kanzler und die Entwicklungsbiologin Christiane Nüsslein-Volhard und der Bildhauer Hubertus von Pilgrim als Stellvertreter.

Eberhard Jüngel hielt dann auch gleich, wie es Tradition bei den öffentlichen Sitzungen des Ordens ist, wenn Mitglieder gestorben sind, eine Gedenkrede auf Sir Henry Chadwick, einen britischen Historiker und Theologen. Diese aber wurde bei weitem übertroffen durch die bewegende Rede von Fritz Stern auf den ehemaligen Außenminister Polens, den Historiker und Warschauer-Ghetto-Überlebenden Bronislaw Geremek, der im Juli vergangenen Jahres starb.

Vom „Geschenk, seit 1979 Geremeks Freund gewesen zu sein“, sprach Stern, davon dass dieser Politik nie als schmutziges Geschäft verstanden habe, „ein leidenschaftlicher Europäer in Polen, ein leidenschaftlicher Pole in Europa“, und dass er trotzdem gerade auch in Polen immer wieder, nicht zuletzt antisemitisch angefeindet worden sei: „Das Schicksal mancher Menschen ist es, dass ihre wirkliche Größe erst nach ihrem Tod erkannt wird“, schloss Fritz Stern. gbar

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