Kultur : Oriol und Persius

Jörg Königsdorf

Zehn Jahre ist es jetzt her, dass die Brandenburger die Fusion mit Berlin scheitern ließen – und viele Zeitungen haben den Jahrestag zum Anlass genommen, die zahlreichen Staatsverträge und Regelungen aufzulisten, mit denen in der Zwischenzeit trotzdem so etwas wie eine Schattenfusion der beiden Bundesländer bewerkstelligt wurde. Die bemerkenswerteste Unternehmung wird dabei meist übergangen: Die Kammerakademie Potsdam , die 2001 nach Abwicklung des städtischen Orchesters aus dem Berliner Ensemble Oriol und dem Potsdamer Persius-Ensemble entstand. Bemerkenswert deshalb, weil die Angst der Brandenburger vor Vereinnahmung angesichts der Berliner Orchestervielfalt besonders ausgeprägt sein müsste. Doch sie haben sich erstaunlich schnell an ihr neues Orchester gewöhnt. Was sicher auch am Qualitätszuwachs liegt, der mit der Gesundschrumpfung einherging. Das Kammerorchester, das als Hausorchester des Nikolaisaals fungiert, wirkt unter Leitung des italienischen Fagottisten Sergio Azzolini weit über Brandenburg hinaus. An der stilistischen Flexibilität der Kammerakademie, deren Repertoire vom teils auf historischen Instrumenten gespielten Barock bis zur Moderne reicht, können sich etliche Orchester ein Beispiel nehmen.

Dass Potsdam die einzige Landeshauptstadt ohne eigenes Sinfonieorchester ist, stört längst niemanden mehr. Das Konzert am Samstag im Nikolaisaal besiegelt den Berlin-Brandenburgischen Schulterschluss auch noch in Gestalt des Solisten: Für Beethovens Violinkonzert hat die Kammerakademie Kolja Blacher, den ehemaligen Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, engagiert.

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