Kultur : Orpheus in der Unterwäsche

Helmut Dietls ehrgeizige Romanze „Vom Suchen und Finden der Liebe“

Christina Tilmann

Sie hat es geschafft: ist in die Unterwelt hinabgestiegen und hat ihren Orpheus ausgelöst. Und zieht nun mit ihm im Schlepptau gen Himmel, durch lauter weiße Schäfchenwolken. Doch für ihn sieht das anders aus. Aus dieser Perspektive hat er seine Schöne bislang nicht gesehen. Prompt kommt die Bemerkung: „Du bist irgendwie in die Breite gegangen.“ Empört dreht sie sich um: Wette verloren.

Orpheus und Eurydike heißen Mimi Nachtigal und Venus Morgenstern und sind die Hauptfiguren in Helmut Dietls Film „Vom Suchen und Finden der Liebe“. Gespielt von Moritz Bleibtreu und der leicht anämischen Alexandra Maria Lara, die laut Dietl „das hat, was man Starqualität nennt“. Gefunden wird die Liebe durch Liebeslieder, die der Komponist Mimi seinem „Sternchen“ auf die Zunge legt („Wohin geht die Liebe, wenn sie geht?“). Reicht irgendwann immerhin für die Goldene Schallplatte.

Das Problem bei Dietl (am Drehbuch arbeitete Patrick Süskind mit, den Dietl einst als medienscheuen Schriftsteller in „Rossini“ porträtierte): Sein Film ruft in jeder Minute „Achtung: Ironie!“. Schwankt zwischen Komödie und großem Pathos. Kommt bei Dialogen zu Pointen wie: „Ich finde es erotisch, wie du die Gabel hältst.“ – „Und ich finde dein Gipsbein erotisch.“ Gießt eine Mehlsoße Kitsch über die Story und will doch ernst genommen werden. Keine sinnfreie Parodie à la Bully Herbig. Und noch nicht ganz die Rosamunde-Pilcher-Romantik, die er doch zügig ansteuert.

Indizien dafür: die Inneneinrichtung, bevorzugt roter Lack und schwarzes Leder. Die Liebesszenen, tränenfeucht als Melodram. Die Unterwelt: eine öde „Herr-der-Ringe“-Ästhetik. Und Berlin: Staatsoper, Pergamonmuseum, Adlon und Gendarmenmarkt. Was man so kennt als Tourist. Immerhin gibt es Anke Engelke und Harald Schmidt beim Seitensprung (wobei er, wie Engelke verriet, zwei Paar Unterhosen trug). Oder Uwe Ochsenknecht beim Tête-à-Tête mit einer griechischen Schäferin. Und Heino Ferch im goldenen Glanzgewand als Hermes Aphroditos. Genug fürs Auge also, einiges fürs Schenkelklopfen und nichts fürs Hirn.

In Berlin in 15 Kinozentren

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