• Osama bin Laden: Erkunden, identifizieren, beschießen - Wie britische Spezialeinheiten nach bin Laden suchen sollen

Kultur : Osama bin Laden: Erkunden, identifizieren, beschießen - Wie britische Spezialeinheiten nach bin Laden suchen sollen

Matthias Thibaut

Ein Geheimnis ist es nicht mehr: London und Washington schätzen die militärischen Optionen einer Afghanistan-Aktion zunehmend realistischer ein. Bestimmt wird die Strategie entscheidend davon, ob und wie genau die militärischen Nachrichtendienste den Aufenthaltsort bin Ladens bestimmen können. Zu bombardieren gibt es in dem armen Land schließlich wenig. Mögliche Ziele wären allenfalls die Lager der al-Qaida, der Spezialeinheit bin Ladens, die Präsident Clinton 1998 ohne Erfolg angreifen ließ.

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Fotos: Die Ereignisse seit dem 11. September in Bildern Respekt, wenn nicht Schrecken vor dem afghanischen Terrain und dem zähen Können der Mujahedin sind gerade in der Afghanistan erfahrenen britischen Armee verbreitet. Und so ist es kein Zufall, dass die britische Presse dieser Tage ausführlich aus den Memoiren des ehemaligen britischen Soldaten Tom Carew zitiert, der in den 80er Jahren mit dem "Special Air Service" in Afghanistan war, um Mujahedins auszubilden. Er beschreibt das Land als "natürliche Festung" mit dünner Luft, wo westliche Soldaten die Konzentration verlieren, mit ihren Fahrzeugen stecken bleiben und gegen die ortskundigen Mujahedin wenig Chancen haben.

Die mythische Einheit

So konzentrieren sich die Spekulationen auf die Rolle von hochtrainierten Spezialeinheiten wie die bereits in eine Vorposition nach Sizilien verlegten amerikanischen "Nightstalkers" und supergeheime Kommandoeinheiten wie die amerikanische Delta Force und natürlich die britische SAS - eine fast mythische Einheit, über die man kaum etwas Offizielles erfährt.

Unbestätigten Gerüchten zufolge halten sich auch SAS-Kommandos schon seit fast zwei Wochen in Afghanistan auf, haben dort Kontakt zur nördlichen Allianz hergestellt, Erkundungen über Minenfelder, Fluchtwege und Bergverstecke eingeholt. "Forward Air Controllers" der Kommandoeinheiten seien bereits im Feindgebiet installiert und hätten begonnen, Informationen durchzugeben. Dazu benutzen sie "Squirt"-Technologie, bei der große Datenmengen in kurzen Stößen übertragen werden, die vom Feind nicht geortet werden können. Von diesen Einheiten identifizierte Ziele könnten dann von Cruise Missiles, Präzisionsbombern oder Kampfflugzeugen beschossen werden. Berichte, wonach SAS-Einheiten bereits mit Taliban-Kämpfern zusammengestoßen seien, wurden in London allerdings bisher immer beiseite gewischt.

Brückenkopf im Taliban-Gebiet?

Je genauer die Informationen, die man über bin Laden und seine Infrastruktur hat, desto größer die Chance, heißt es, seinen Bewegungsspielraum durch gezielte Aktivitäten dieser Kommandos einzugrenzen; beispielsweise mit "Hit-and-Run"-Überfällen, wie sie offenbar die Amerikaner bevorzugen, oder längeren Aktionen hinter feindlichen Linien, wie sie Spezialität der SAS und auch der französischen Fremdenlegion sind. Weiß man allerdings wenig über bin Laden, könnte nichts anderes übrig bleiben, als in Afghanis tan, vielleicht sogar im Taliban Gebiet, einen Brückenkopf mit Flugfeld aufzubauen und von hieraus gegen die al-Qaida und die Taliban vorzugehen. Doch dies wäre eine langwierige, riskante und verlustreiche Strategie - nicht zuletzt wegen bin Ladens eigener Elitetruppe.

Trotzdem sind auch Luftangriffe auf Afghanistan laut britischen Verteidigungskreisen "unvermeidlich" und könnten nach den in der britischen Presse zitierten Quellen schon in den nächsten Tagen erfolgen. Spekulationen über den Beginn von Kampfhandlungen Anfang der nächsten Woche erhielten durch die Einberufung des Unterhauses zu einer weiteren Terror-Sonderdebatte am kommenden Donnerstag und die Kürzung des Labourparteitages auf zwei eher symbolische Tage Auftrieb.

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