Oscar-Verleihung : Akademie sorgt sich um Einschaltquoten

Alles ist bereitet für die feierliche Verleihung: Der meterhohe Kunststoff-Oscar steht, der dunkelrote Teppich liegt davor und die Tribünen sind aufgebaut. Doch die Organisatoren fürchten einen Rückgang der Zuschauerzahlen.

Hollywood - Kurz vor der 78. Oscar-Zeremonie im Kodak Theater in Hollywood sieht alles so aus wie in den vergangenen Jahren. Doch gerade das bereitet den Organisatoren Kopfzerbrechen. Der begehrteste Filmpreis der Welt, der am Sonntagabend Ortszeit verliehen wird, braucht eine "High-tech-Überarbeitung", hieß es in der "Los Angeles Times".

Vor allem die deutlichen sinkenden Fernseh-Einschaltquoten der letzten Zeremonien lassen in der "Academy of Motion Picture Arts and Sciences" die Alarmglocken schrillen. Es könnte in diesem Jahr noch schlimmer kommen, denn im Rennen ist kein einziger großer Blockbuster wie "Titanic" oder "Herr der Ringe". Und außer dem dreifach nominierten George Clooney darf sich kein einziger Megastar Hoffnungen auf einen Oscar machen. Um das Defizit auszugleichen, erscheinen Publikumslieblinge wie Nicole Kidman, Tom Hanks, Jennifer Lopez und Will Smith auf der Bühne, um die Preise zu überreichen.

Gemessen an der Zahl der Nominierungen hat der Film "Brokeback Mountain" die deutlich besten Chancen auf den Titel «bester Film des Jahres». Acht Mal steht das Drama zur Wahl, unter anderem in den Kategorien beste Regie, bester Haupt- und Nebendarsteller und bestes Drehbuch. Das Werk von Regisseur Ang Lee wäre der erste Film mit einer explizit schwulen Liebesgeschichte, der mit den höchsten Weihen der Academy gekrönt würde.

Doch die Auswahl der fünf «besten» Filme hat es dieses Jahr in sich: "L.A. Crash" erzählt von Rassen- und Bandenproblemen in Los Angeles und hat eine Debatte ausgelöst, ob die gezeigten Probleme der Realität oder nur einem Klischee entsprechen. "München" von Steven Spielberg fand vor allem wegen seiner Position zu Terror und Vergeltung als Politikum Beachtung. Eine Lektion zum Thema Anti-Kommunismus und Spitzeltum erteilt Superstar George Clooney dem Publikum in seiner Regiearbeit "Good Night, and Good Luck". "Capote" schildert eine Phase im Leben des homosexuellen Schriftstellers Truman Capote.

In der Kategorie bester ausländischer Film gilt der deutsche Regisseur Marc Rothemund mit seinem Drama "Sophie Scholl - Die letzten Tage" als chancenreicher Außenseiter. Mehr Schlagzeilen in den US-Medien haben Südafrikas Beitrag "Tsotsie" über einen Kleinkriminellen in Johannesburg und "Paradise Now" aus den palästinensischen Gebieten gemacht.

Die Parade von Hollywoods Prominenz wird auch im deutschen Fernsehen übertragen. ProSieben strahlt die Ankunft der Stars auf dem roten Teppich am frühen Montagmorgen ab 1.00 Uhr aus und die anschließende Verleihzeremonie bis 5.55 Uhr. Moderator der Oscar- Schau ist in diesem Jahr erstmals der politisch spitzzüngige Komödiant Jon Stewart. (Karin Zintz, dpa)

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