Oscar-Verleihung : Deutscher Film mit guten Chancen

Bei der bevorstehenden Oscar-Verleihung darf sich das Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" gute Chancen ausrechnen. Stärkster Konkurrent ist "Pans Labyrinth" von Guillermo del Toro.

Berlin - Falls Forest Whitaker und Helen Mirren bei der Oscar-Verleihung überzeugend erstaunt dreinblicken, wenn ihr Name aufgerufen wird, haben sie die Auszeichnung wirklich verdient. Die beiden Mimen gelten bei der 79. Verleihung des begehrtesten Filmpreises in der Nacht zum Montag als haushohe Kandidaten. Spannung dürfte im Kodak Theatre in Hollywood an anderer Stelle aufkommen. Etwa bei der Entscheidung, ob Martin Scorsese die siebte Nominierung im Regiefach endlich in seinen ersten Oscar ummünzen kann. Aus deutscher Sicht kommt der Moment der Entscheidung in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film", wo sich das Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" gute Chancen ausrechnen darf.

Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck wurde für sein Debüt von den US-Kritikern mit Lob überschüttet, war allerdings bereits bei den Golden Globes leer ausgegangen. So könnte ihm denn auch sein mexikanischer Kollege Guillermo del Toro mit "Pans Labyrinth" den Goldmann vor der Nase wegschnappen. Visuelle Opulenz und die außergewöhnliche Geschichte eines Mädchens, das sich im Spanien Francos als Prinzessin eines Märchenreichs entpuppt, könnte bei den Mitgliedern der Akademie den Ausschlag geben. Ein weiterer Pluspunkt für den Mexikaner: Sein Film ist bereits erfolgreich in den USA gelaufen, während "Das Leben der Anderen" dort erst seit gut zwei Wochen in einigen ausgewählten Kinos zu sehen ist.

In den meisten Schauspieler-Kategorien scheint die Sache dagegen klar zu sein. Whitaker als Diktator Idi Amin in "Der letzte König von Schottland" und Mirren als Elizabeth II. in "Die Queen" können mit ihren Preisen bereits mehrere Regale füllen. Beide wurden bei den Golden Globes und den Screen Actors Guild Awards sowie von rund einem Dutzend Kritikerverbänden als beste Hauptdarsteller ausgezeichnet.

DiCaprio nur Außenseiter

Da wäre es schon eine dicke Überraschung, wenn die Akademie stattdessen Leonardo DiCaprio ("Blood Diamond"), Peter O'Toole ("Venus"), Judi Dench ("Tagebuch eines Skandals") oder Penélope Cruz ("Volver") zu Siegern küren würde. Ordentlich enttäuscht dürfte auch Favoritin Jennifer Hudson ("Dreamgirls") sein, sollte der Oscar für die beste Nebendarstellerin etwa an die erst zehnjährige Abigail Breslin ("Little Miss Sunshine") gehen.

Keine bitteren Gefühle bei den unterlegenen Konkurrenten dürfte es hingegen geben, sollte Scorsese als bester Regisseur ausgezeichnet werden. Nach einer über 40-jährigen Karriere mit Meilensteinen wie "Taxi Driver" und "Wie ein wilder Stier" scheint in der Branche die Meinung zu herrschen, der Regisseur dürfe nicht mit einem Oscar für sein Lebenswerk "abgespeist" werden.

Gut möglich, dass die "7" Scorseses Glückszahl ist (eine achte Nominierung hatte er für das "Good Fellas"-Drehbuch erhalten). Das Polizisten-Drama "Departed - Unter Feinden" mit DiCaprio und Matt Damon wurde von Kritikern und Zuschauern geliebt und ist der kommerziell bislang erfolgreichste Film des 64-Jährigen. Clint Eastwood, dem er vor zwei Jahren noch unterlegen war, hatte mit dem auf Japanisch gedrehten Weltkriegsdrama "Letters from Iwo Jima" hingegen keinen so durchschlagenden Erfolg an den Kinokassen zu verbuchen. Außenseiterchancen hat Paul Greengrass für sein beklemmendes 9/11-Drama "Flug 93".

"Departed" ist Favorit

Auch beim Haupt-Oscar für den besten Film gilt "Departed" als ein Favorit. Sehr gute Aussichten hat auch das Episodendrama "Babel" des Regisseurs Alejandro González Inárritu. Neben "Letters from Iwo Jima" und "Die Queen" ist die einzige Komödie "Little Miss Sunshine" der Außenseiter in der Königskategorie.

Während die Filmwelt ordentlich spekuliert, ist das Kopfzerbrechen für die 5830 stimmberechtigten Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences vorbei: Am Dienstagnachmittag endete die Abgabefrist für die Stimmzettel. Bis Sonntag sind dann Brad Oltmanns und Rick Rosas von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers die Einzigen, die die Namen der Gewinner kennen. (Von Nina Jerzy, ddp)

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