Kultur : Oscar Wilde: Meine Sprache

Manche machen sich nicht viel aus Oscar Wilde. Wir anderen halten seine Komödie"Wie wichtig es ist, ernst zu sein" für das Werk, in dem die Kunst aphoristischer und paradoxer Ironie ihren Höhepunkt erreicht. Da wir zum Todestag nicht das ganze Stück abdrucken können, wollen wir uns mit Stückchen begnügen. Und könnte Ironie bitterer sein als hier: Während sich das Theaterpublikum wälzte vor Lachen, saß der Autor auf einer Pritsche im Gefängnis.

Hier also (leider) nur ein paar Sätze, in der freien Übersetzung des Autors.

Jack: "Das, mein lieber Algy, ist die reine und einfache Wahrheit."

Algernon: "Die Wahrheit ist selten rein und niemals einfach. Unser Leben wäre sehr langweilig, wenn sie das wäre."

Jack: "Ich habe dich nicht eingeladen, heute mit mir zu dinieren."

Algernon: "Das ist sehr dumm von dir. Nichts ärgert Leute mehr, als nicht eingeladen zu sein."

Algernon: "Die Zahl der Frauen in London, die mit ihren eigenen Ehemännern flirten, ist geradezu skandalös. Es ist nachgerade so, als ob man seine saubere Wäsche öffentlich wüsche."

Algernon: "Musik beim Essen ist sehr schwierig. Wenn die Musik gut ist, hören die Leute nicht zu. Und wenn sie schlecht ist, dann können sie sich nicht unterhalten."

Algernon: "Alle Frauen schlagen ihren Müttern nach. Das ist ihre Tragödie. Von den Männern tut das keiner. Das ist seine."

Zum Ende noch mein Lieblingssatz, beinahe schon ein geflügeltes Wort. Es spricht Lady Bracknell, und sie sagt, Ignoranz gleiche einem exotischen Gewächs: Wenn man sie anrührt, zeigt sie ihr trauriges Nichts.

Mir meiner Unzulänglichkeiten bei dem Versuch einer interpretierenden Übersetzung wohl bewusst, möchte ich wenigstens diesen Vergleich im Original zitieren: Ignorance is like a delicate exotic fruit; touch it and the bloom is gone.

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