Oscars 2015 : The Grand Babelsberg Hotel

Vor der Gala in Los Angeles: Warum die Potsdamer Filmstudios schon oft beim Oscar-Rennen dabei waren – und wie sie diesmal davon profitieren.

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Klein, aber hallo. Ganze Hallen und Außenflächen wurden 2013 in Babelsberg mit den Miniaturmodellen für „The Grand Budapest Hotel“ gefüllt.
Klein, aber hallo. Ganze Hallen und Außenflächen wurden 2013 in Babelsberg mit den Miniaturmodellen für „The Grand Budapest Hotel“...Foto: Studio Babelsberg AG

Zehn Oscars und 40 Nominierungen seit 2002. Neun Nominierungen allein bei der 87. Verleihung am morgigen Sonntag – und trotzdem eine schlechte Jahresbilanz 2014. Dies ist die Geschichte eines Widerspruchs, des Grundwiderspruchs der Babelsberger Filmstudios. Alle gratulieren ihnen zu den Nominierungen für „The Grand Budapest Hotel“ (neunfach tritt sonst nur „Birdman“ an), von denen etliche auf technische Kategorien gemünzt sind, also auf Babelsberg-Leistungen. Sorge um ihre Zukunft haben die Studios trotzdem.

Die Ausstatter Adam Stockhausen und Anna Pinnock, ebenso ihre Kollegen von Masken- und Kostümbild werden am Sonntagabend im Saal des Dolby Theatre in Los Angeles sitzen. Babelsberg drückt ihnen die Daumen, jenen heads of department, die seit der Arbeit an Wes Andersons Film von Babelsberg schwärmen. Schließlich wurde nicht nur in Görlitz gedreht, sondern auch in etlichen Hallen, die mit den Modellen für Andersons schrill-vergnügte Zwischenkriegs-Tragikomödie gefüllt waren, mit all den Miniaturen von Hotel und Hotelberg, Standseilbahn und Skisprung-Schanze. Die Kamera kurvte manchmal auf einem Skateboard darin herum.

Grand Budapest Hotel
Wes Andersons "Grand Budapest Hotel" entstand zu großen Teilen in Görlitz. Aber die Miniaturmodelle der Bauten wurden in den Babelsberger Filmstudios gebaut. Hier die Fassade des Berghotels, in dem Ralph Fiennes, Tony Revolori, Bill Murray und Tilda Swinton eincheckten.Weitere Bilder anzeigen
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20.02.2015 14:06Wes Andersons "Grand Budapest Hotel" entstand zu großen Teilen in Görlitz. Aber die Miniaturmodelle der Bauten wurden in den...

Handarbeit und Know-how vom Feinsten, nicht nur beim Szenenbild: Das Markenzeichen des weltältesten Großstudios mit seinen 20 Hallen, dem Indoor-Wassertank, der hydraulischen Flugzeug-Drehkulisse, einer Million Requisiten, einer halben Million Kostümen und 90 hochqualifizierten Mitarbeitern (die bei Bedarf auf über 2000 aufgestockt werden können) ist dank Andersons Film bekannter denn je. Gleichzeitig müssen die Babelsberg-Vorstände Carl Woebcken und Christoph Fisser für 2014 mit einem Minus von über zwei Millionen Euro rechnen. Weil zwei Großprojekte nicht zustande kamen – was wiederum damit zu tun hat, dass die Fördergelder in Deutschland nach oben gedeckelt bleiben, anders als etwa in England.

Quentin Tarantino ist Babelsberg-Fan - er drehte „Inglourious Basterds“ hier

Dort kann eine 200-Millionen-Pfund-Produktion mit bis zu 40 Förder-Millionen rechnen. Der Deutsche Film- und Fernsehfonds zahlt maximal 10 Millionen Euro aus – damit viele Filme von der Förderung profitieren, auch Koproduktionen. In Babelsberg waren das in letzter Zeit unter anderem „Cloud Atlas“, „Die Bücherdiebin“ und Clooneys „Monument’s Men“. Richtig riesige Blockbuster lassen sich aber kaum hierher locken, sagt Geschäftsführer Woebcken am Telefon aus L.A. „gebetsmühlenartig“, wie er selber es nennt, kritisiert er die Kappungsgrenzen – und muss gleich weiter zum nächsten Meeting. Klinkenputzen bei den Hollywoodstudios gehört bei ihm zum Kerngeschäft. Woebcken tut es erhobenen Hauptes: Die Marke Babelsberg hat international einen exzellenten Ruf.

Was auch an der Geschichte liegt: „What a history!, schreiben uns viele ins Gästebuch“, erklärt Christoph Fisser. Und dass alle scharf auf die Marlene-Dietrich-Halle sind, wegen der Tradition und der Aura. Auch Fisser ist nach L.A. gereist, Finanzen hin oder her, jetzt wird gefeiert.

Am Samstagmittag tummeln sich die Babelsberger beim traditionellen Oscar- Empfang der Deutschen in der Villa Aurora in den Pacific Palisades. Die Gala am Sonntag sehen sich alle, die nicht ins Dolby Theatre kommen, dann bei der Party des „Budapest“-Verleihers Twentieth Century Fox an, im Boa Steakhouse am Sunset Boulevard. Auch der Berliner Senatskanzleichef Björn Böhning ist dabei, und Kirsten Niehuus, die Chefin des Medienboards Berlin Brandenburg. Wieso eigentlich? 450 000 Euro hat das Medienboard zu den 5 deutschen Fördermillionen (und zum Gesamtbudget von 23 Millionen Dollar) für Andersons Film beigetragen. Es geht um Standortwerbung, heißt es, um eine gewünschte Internationalisierung der Filmregion – Niehuus’ Reisekosten speisen sich aus einem Topf mit Sondereinnahmen.

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