Kultur : Osten leuchtet

Zwei Bücher zur Kultur in den zehn neuen EU-Staaten

Dagny Lüdemann

Fish and Chips, Tomate und Mozzarella, Crêpe mit Konfitüre: All das gibt es hierzulande seit Jahren, importiert aus europäischen Nachbarstaaten, lieb gewonnen und eingedeutscht. Und man kann den Deutschen nicht nachsagen, dass sie nur Kulinarisches kennen: Ob Björk oder Luis Figo – europäische Promis zieren die Gazetten ganz selbstverständlich. Seit Mai 2004 hat die EU zehn neue Mitglieder. Aber kennen wir irgendeinen Schauspieler aus Estland, Lettland oder Litauen? Einen maltesischen, tschechischen, zypriotischen Schriftsteller? Wie sieht es aus mit Musikern aus Polen, Ungarn, Slowenien oder der Slowakei? Hier herrscht Nachholbedarf, den zwei neue Bücher mit unterschiedlichen Konzepten zu decken versuchen.

Am Montag wurde in der Berliner Akademie der Künste der von Zsuzsa Breier und Tagesspiegel-Herausgeber Hermann Rudolph edierte „Europa-Almanach“ vorgestellt (Bostelmann und Siebenhaar Verlag, 144 S., 17,90€). Er fasst die Ergebnisse des „Kulturjahres der Zehn“ zusammen, das kürzlich zu Ende ging: Intellektuelle aus den neuen und alten EU-Ländern diskutieren über Gemeinsamkeiten und Unterschiede, Ansichten, Aussichten, Wünschen. Zsuzsa Breier, Initiatorin des Kulturjahres, sagt dazu: „Wir sehen Europa nicht als geografisches Gebilde, sondern als geistige Größe.“ Der „Europa-Almanach“ ist der erste Teil einer Schriftreihe, die das kulturelle Zusammenwachsen der Länder fördern und dokumentieren soll.

Der Kulturführer „Europa für Szenegänger“ (Hg. von Manfred Eichel, Parthas Verlag, 160 S., 18 €) hat einen eher praktischen Ansatz und eine jüngere Zielgruppe. Zwölf Kulturjournalismus-Studenten der Berliner Universität der Künste haben die Metropolen der neuen Mitgliedstaaten besucht und dabei Designer, Künstler und Musiker entdeckt – aber auch Gewohn- und Eigenheiten der neuen Nachbarn kennen gelernt. Ihr Reportage-Buch ist ein Reiseführer auf hohem Niveau: für alle, die es in die pulsierenden Hauptstädte von New Europe zieht.

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