Kultur : Ostern: Im Glauben geeint, im Kalender getrennt

Susanne Tenhagen

Mit Wünschen ist es ja so eine Sache - sie bleiben oft unerfüllt. Die Kirchen beispielsweise haben einen sehr alten Wunsch: gemeinsam Ostern feiern. Und siehe da, in diesem Jahr ist es tatsächlich so. Ostern fällt für die katholisch-protestantische und die orthodoxe Welt zusammen. Doch dies ist kein wirklich göttliches Zeichen der Einsicht, sondern purer kalendarischer Zufall. Aber immerhin könnte dies den alten Bestrebungen nach Vereinheitlichung des Datums neuen Auftrieb geben. Im besten Fall jedenfalls, denn solcherlei Bemühungen sind bisher noch immer gescheitert. So eint die Kirchen zwar der Glaube, dass Christus zu Ostern auferstanden ist. Doch ihre unterschiedlichen Kalender trennen die Kirchen, vor allem das unterschiedliche Datum des Osterfestes.

Druck der Banken

In den Ländern der orthodoxen Kirche gilt zum Teil der westliche (gregorianische Kalender) wie in Griechenland. Dort wurde er 1923 durch das Parlament eingeführt. Auf einer Pan-orthodoxen Konferenz wollte man im selben Jahr kirchlicherseits den julianischen Kalender revidieren und angleichen, was zu einer Kirchenspaltung in der griechischen und rumänischen orthodoxen Kirche führte. Die Reform konnte daher nur teilweise durchgesetzt werden.

Schließlich drängte auch die Geschäftswelt nach einer Vereinheitlichung der Kalender. Allen voran die Banken, aber auch die Reisegesellschaften, Transport- und Kommunikationsunternehmen. So verabschiedete das britische Parlament 1928 die so genannte Oster-Akte. Ostern sollte auf ein festes Datum gelegt werden: Auf den Sonntag, der dem zweiten Samstag im April folgt. Vorausgesetzt alle Kirchen stimmten zu. Doch die Zustimmung blieb aus.

Die katholische Kirche zeigte besonders nach dem 2. Vatikanischen Konzil ein großes Interesse an einem gemeinsamen Osterdatum. Von 1963 an erklärte sie, im Falle ökumenischer Zustimmung solle nach einem gemeinsamen festen Datum gesucht werden. 1975 griff die katholische Kirche in Absprache mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) den britischen Vorschlag auf, und wandte sich damit an die orthodoxe Kirche. Der ÖRK startete 1975 eine Umfrage unter seinen rund 300 Mitgliedskirchen, zu der auch die orthodoxen Kirchen gehören. Das Ergebnis: "Ein konkreter Vorschlag würde in diesem Stadium nicht zu einem gemeinsamen Osterfest führen."

Mit Hilfe der Astronomen

Man wollte sich nicht festlegen und schon gar kein festes, alljährlich immer am gleichen Tag wiederkehrendes Osterdatum, wie es die westliche Welt vorschlug, akzeptieren. So kam man also nicht weiter. Voran ging es erst wieder 1997 im syrischen Aleppo. Bei einer Konsultation der Kirchen des ÖRK und des Rates der Kirchen im Mittleren Osten verständigte man sich darauf, wieder nach einem gemeinsamen Datum zu suchen. Es sollte nun nicht mehr an einem festen Termin liegen. Ostern sollte ein bewegliches Fest bleiben. Den Zeitpunkt sollen jetzt die Astronomen vorgeben. Sie sollen genau ausrechnen, wann Tag und Nacht im Frühjahr das erste Mal gleich lang sind. Von diesem Zeitpunkt an wird auf den ersten Vollmond gewartet, den Frühjahrsvollmond. Am Sonntag danach ist Ostern. Nach diesen astronomischen Berechnungen würde sich für uns das erste Mal im Jahr 2019 eine Abweichung ergeben. Ostern wäre dann nicht am 21. April, sondern am 24. März.

Die orthodoxe Welt müsste ihr Osterfest vom 28. April auf den 24. März verlegen. Doch so weit ist es noch lange nicht. Vorerst müssen sich die Kirchen noch immer mit dem zufälligen Überschneiden ihrer Kalender zu Ostern zufrieden geben. Das wird das nächste Mal in drei Jahren der Fall sein.

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