Osterrätsel 2014: Erraten Sie zehn Persönlichkeiten : Wer war's?

Das biografische Osterrätsel dreht sich in diesem Jahr um den Ersten Weltkrieg, der vor hundert Jahren begann. Wie immer sind zehn Männer und Frauen zu erraten.

Das biografische Osterrätsel 2014.
Das biografische Osterrätsel 2014.Illustration: Michael Hahn für den Tagesspiegel

In diesem Jahr erinnern wir an 100 Jahre Erster Weltkrieg, die „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts. Dieser Krieg hat die Welt verändert. Unsere gesuchten Persönlichkeiten haben im Prinzip mal mehr, mal weniger direkt mit dem Krieg zu tun, sie passen in die Zeit, sie kommen aus unterschiedlichen Ländern und Kontinenten. Sie spiegeln – hoffentlich – jene Zeit und regen zum Nachdenken an.
Sie können erstmals Ihre Lösungen unter www.tagesspiegel.de/osterraetsel2014 direkt in eine Lösungsmaske eingeben und dann die Ergebnisse von dieser Website an uns abschicken. Natürlich gelten auch die bisherigen klassischen Wege wie eine E-Mail an osterraetsel@tagesspiegel.de oder die Postkarte an: Der Tagesspiegel, Redaktion Sonderthemen, Kennwort Osterrätsel, 10491 Berlin. Die Namen derer, die richtig geraten haben, werden veröffentlicht (ohne Gewähr) – vorausgesetzt, die Einsendungen enthalten einen deutlich lesbaren Absender mit Adresse. Unter den richtigen Einsendungen verlosen wir 30 Bücher. Einsendeschluss ist in diesem Jahr der 5. Mai (Poststempel).

1. Eine Frau, der ihre Hilfe nicht half

In ihrem Land war man hilflos angesichts ihres Schicksals. Man werde wohl nichts für sie tun können, lautete eine Ansicht innerhalb der Regierung. Denn sie war Gefangene des Feindes. Andere setzten sich für sie ein, Offizielle aus neutralen Staaten, die der Besatzungsmacht ihre Meinung vortrugen und um Milde baten. Doch davon wollten die Besatzer nichts wissen. Ob das Todesurteil rein juristisch gesehen in Ordnung war, ist umstritten. Dass es eine Frau traf, galt als ungeheuerlich. Aber es herrschte Kriegsrecht, und das wurde kalt angewendet. Dabei hatte sie nur geholfen. Hilfe war ihr Beruf, und da unterschied sie nicht, woher jene kamen, denen sie half. Der Prozess gegen sie kam durch Verrat zustande. Im Verfahren war sie offen und leugnete nicht, was sie getan hatte. Im Gesamtpanorama des Krieges war ihr Vergehen gering. Das hielt ihre Ankläger nicht davon ab, das Todesurteil zu vollstrecken – durch ein Erschießungskommando. Was folgte, war Propaganda. Der Tod der „unschuldigen Frau“, der „Märtyrerin“, sollte Rachegefühle erzeugen. Ihre Geschichte ging um die Welt. Schon ein Jahr nach ihrem Tod gab es den ersten Film über sie. Ihre sterblichen Überreste wurden nach dem Krieg in ihr Heimatland überführt, sie bekam ein posthumes Staatsbegräbnis. Der geschmückte Eisenbahnwaggon, in dem ihr Sarg transportiert wurde, wird noch heute als Denkmal ausgestellt. In Berlin war nach dem Zweiten Weltkrieg eine Straße nach ihr benannt, doch wurde das 1955 wieder geändert.

2. Ein Mann, dessen Einsatz umstritten war

Vorfahren von ihm kamen aus dem Land, gegen das er in den Krieg zog. Seine Militärkarriere begann mit 22 Jahren in einer Einrichtung, die heute noch besteht und als elitär gilt. Seinen ersten Einsatz erlebte er mit 26 Jahren, es war ein zäher Kleinkrieg zur Unterwerfung eines Teils der Bevölkerung. Bald darauf war er Kommandeur in einer Einheit, deren Soldaten aus einer anderen Minderheit stammten, die unterprivilegiert war. Spätere Einsätze sahen ihn in Asien, in Auseinandersetzungen, die heute weitgehend vergessen sind. Oder in Strafaktionen in Nachbarländer hinein. Dann kam der Auftrag, die Truppen seines Landes im Weltkrieg zu kommandieren. Wie entscheidend das für den Ausgang war, ist umstritten. Völlig unumstritten war sein Vorgehen jedenfalls nicht, seine Kriegstaktik brachte der eigenen Truppe hohe Verluste. Er galt als streng und hart, manche warfen ihm zudem vor, ein Schreibtischsoldat zu sein. Doch erhielt er eine Auszeichnung, die kein Lebender zuvor und danach bekommen hat. Jahrzehnte später sorgte der Gesuchte, obwohl er da schon lange tot war, noch einmal für Aufregung. Seines Namens wegen. Nicht zuletzt in dem Land, gegen das er einst gekämpft hatte.

3. Ein Mann mit Gefühl für Farbe

Der Kunst und dem Reisen hat er sich früh verschrieben. Nach seiner Schulzeit studiert er an einer renommierten Kunstakademie seines Landes und unternimmt recht früh Reisen in verschiedene europäische Länder. Eine gewisse Zeit wohnt er auch in der Hauptstadt seines Landes und wird dort Schüler eines bedeutenden Malers. Nach seinem Militärdienst heiratet er und reist in ein Land, in dem er durch seine Frau einen weiteren bedeutenden Künstler kennenlernt, der ihn schließlich in noch ganz andere Kreise bringt. Sie werden für sein weiteres Leben von Bedeutung sein. Mit Geistesverwandten aus jenen Zirkeln bildet er dann ein Trio, das durch eine besondere gemeinsame Aktion letztendlich Kunstgeschichte geschrieben hat. Die Farbe hat ihn von Anfang an fasziniert, aber er mochte auch die schnelle Skizze, die fast zur Abstraktion zwingt. Er war ein Augenmensch, ein Mann mit großer Auffassungsgabe für das Wesentliche. Er hatte viele Skizzen angefertigt, um sie später auszuarbeiten, genau wie sein mitreisender Kollege, der nach seiner Reise noch viele Bilder geschaffen hatte und damit berühmt wurde. Unserem Gesuchten war das leider nicht mehr in vollem Maße vergönnt, denn er meldete sich aus freien Stücken, um gegen das Land zu kämpfen, dessen ferne Untertanen er zuvor noch in Freundschaft und Bewunderung erlebt hatte. Es passt zu den Geschehnissen jener Zeit, dass der Mann seine künstlerische Laufbahn nicht fortsetzen konnte. Seinen kurzen Militäreinsatz überlebte er nicht. Er starb im gleichen Jahr mit 27 Jahren. In dem Land, das er besucht hat, erfährt er nun auch eine späte Ehrung.

4. Die Frau, die an Grenzen ging

Sie war reich, schön und intelligent – aber zu belesen zum Heiraten. Das schreckte die Kandidaten ab, für die sie sich interessierte und für die meisten interessierte sie sich genau deshalb nicht. Ihr Studium an einer Eliteuniversität schloss sie mit der höchstmöglichen Auszeichnung ab, aber ohne akademischen Titel. Schließlich war sie eine Frau. Den Dank des Vaterlandes erwarb sie sich, Jahre später, aber gerade dadurch, dass sie seine Vorschriften, was eine Frau tun dürfe, bald hinter sich ließ. Sie bestieg Berge und reiste in Länder, die damals den meisten Männern zu gefährlich erschienen, oft ungeschützt. Schutz bot ihr etwas anderes: Ihre umfangreichen Sprachkenntnisse und ihr selbstverständlicher Respekt vor denen, die sie traf. Sie war kultursensibel, bevor es das Wort gab. Der Krieg machte das Wissen, das sie sich auf diese Weise in vielen Jahren erworben hatte, plötzlich wichtig – niemand sonst besaß es und schon keiner aus erster Hand. Damit hat sie sprichwörtlich die Weltkarte verändert, die Grenzen eines neu entstandenen Landes hat sie gezogen. In dessen Hauptstadt nahm sie sich, von jahrelangen Depressionen zermürbt, kurz vor ihrem 58. Geburtstag das Leben.

5. Ein Mann, der belgisches Grau erlebte

Eine Terrasse zum Verlieben. Man möchte sofort Platz nehmen, die Aussicht auf die hügelige Sommerlandschaft genießen und von Italien träumen. Wo hat er wohl gestanden, um dieses Bild zu malen? Und hat er sich danach einen Apfel aus jener Obstschale genommen, die da so verlockend auf dem Tisch steht? 56 Jahre war der Künstler, als dieses Werk entstand. Eins von so vielen, die er im Laufe seines Lebens schuf. Der Mann, so staunt man, konnte wohl nicht aufhören zu spielen, mit Farben, Strichen und Tupfern. Er dekorierte Bühnen, zog Schauspieler an und umhüllte Süßigkeiten. Man sah ihn mit Zigarre in der Hand an der Staffelei stehen und ahnt, dass er gute Tropfen mochte, am liebsten aus jener Gegend, die ihm so ans Herz gewachsen war. Er sonnte sich im Erfolg. Ein Freund warf ihm vor, sich in den falschen Kreisen zu bewegen. Dennoch blieb der Gesuchte ihm treu und schenkte dem alten Gefährten ein schwarzes Tier. Schwarz wie die Nacht. Dabei hatte er zwei Jahre zuvor noch im Rausch der Farben geschwelgt. Doch dann erlebte er drei Wochen lang belgisches Grau. Wieso hatte er sich überhaupt darauf eingelassen? Am Ende seines Lebens beschäftigte er sich an einem deutschen Fluss mit einem Berg. Düster war das und nicht von Dauer. Alles andere ist schön verstreut.

6. Kindersoldat in deutschen Diensten

Der Gesuchte hat dem Deutschen Reich schon als Zehnjähriger als Soldat gedient. Das hatte in seiner Familie Tradition, denn auch sein Vater war Soldat in deutschen Diensten in einer der afrikanischen sogenannten Schutztruppen und erreichte dort den höchstmöglichen Rang. Erste Deutschkenntnisse erwarb er an einer Schule seines Geburtsortes. Diese Fähigkeiten müssen doch so gut gewesen sein, dass er zunächst eine Anstellung als Schreiber bei einem deutschen Fabrikanten fand. Den großen Krieg erlebte der Junge als Helfer der afrikanischen Soldaten in deutschen Diensten. Er übermittelte ihre Nachrichten. 1917 wurde er verletzt und geriet in Kriegsgefangenschaft. Er bemühte sich sogar um eine Anstellung in den Diensten des ehemaligen Feindes, doch dieser Versuch misslang. 1925 heuerte er auf einem deutschen Schiff an und reiste 1929 nach Berlin, um ausstehenden Sold einzufordern. Obwohl er das Geld nicht bekam, blieb er in Berlin, arbeitete als Kellner, heiratete, wurde Vater. Er engagierte sich auch zum heutigen Unverständnis in einer neokolonialen Vereinigung. Gleichzeitig unterrichtete er seine Muttersprache an der Berliner Universität. Diese Stellung kündigte er aber wegen erniedrigender Behandlung. Der Gesuchte spielte in zahlreichen deutschen Filmen mit, einmal auch an der Seite von Hans Albers. Seine Beziehung zu einer Deutschen wurde ihm schließlich zum Verhängnis. Er wurde ins Konzentrationslager Sachsenhausen gesperrt, wo er drei Jahre später starb.

7. Ein Mann mit starkem Charakter

Für seine Charakterstärke wurde er vom jüngeren Bruder – der heute der bekanntere ist – stets bewundert. Aufgewachsen in einem wohlhabenden, kulturaffinen Umfeld im Glanz der k.u.k.-Monarchie, brach der Gesuchte mit den ungeschriebenen Gesetzen der Familien, indem er sich die Musik nicht als Hobby erwählte, sondern als Brotberuf. Kurz nach seinem viel beachteten Debüt allerdings muss er in den Krieg ziehen – und wird gleich beim ersten Einsatz schwer verwundet. Dennoch entschließt er sich, seine Karriere fortzusetzen. Er trainiert konsequent, arrangiert zunächst bestehende Stücke so, dass er sie trotz seiner Behinderung spielen kann. Bald beginnt er aber auch, neue Werke in Auftrag zu geben. Seine finanziellen Verhältnisse erlauben es ihm. Drei Dutzend für ihn maßgeschneiderte Stücke entstehen so, erdacht teils von damals beliebten, teils immer noch geschätzten Komponisten. Nicht alle führt er auf, ein Werk, das ihm unverständlich bleibt, erlebt seine Weltpremiere erst 2004 in Berlin. Ein anderes dagegen wird bald Teil des internationalen Kanons im betreffenden Genre. Von den Nationalsozialisten verfemt, emigriert der Gesuchte in die USA, wo er bis zu seinem Lebensende auch als Lehrer wirkt. Sein Nachlass wurde lange unter Verschluss gehalten, 2003 versteigert und befindet sich seitdem in Hongkong.

8. Chronistin der Vorkriegselite

Sie hat ein Leben lang Tagebuch geschrieben. Und weil sie seit ihrer Eheschließung mit 21 Jahren mitten im Zentrum der Macht lebte, ist es bis heute eine ausgezeichnete Quelle, die Motive und Verfassung derer nachzuzeichnen, die ihr Land später in den Krieg führten. Die regierende Schicht ihres Landes, so rühmte ihr ein Historiker nach, habe sie „wie in einem Spiegel“ gezeigt. Die zeitlebens konservativ-nationalistische Adlige hatte für deren wachsenden Hysterie und Hurrapatriotismus allerdings ebenso wenig übrig wie für den Geltungsdrang des Monarchen. Von einer folgenreichen außenpolitischen Schlappe heißt es 1904 in ihrem Tagebuch, unter den hohen Diplomaten herrsche „tiefe Niedergeschlagenheit“ über „eine der schlimmsten Niederlagen“ der letzten 20 Jahre. „Und das heißt man Weltpolitik!“, spöttelt sie. Den Tod der Gattin des früheren Monarchen hatte sie – da war sie erst 47 Jahre alt – schon als „letzten Abschied von der alten, für uns guten Zeit“ empfunden. Den wirklichen Untergang ihrer Welt hat sie nicht mehr erlebt. Sie starb wenige Monate vor Kriegsbeginn.

9. Ein wahnsinnig gutaussehender Mann

Am 21. November 1916 wurde er Soldat. Zunächst hat er Glück. Die erbarmungslosen Sturmangriffe bleiben ihm erspart. Er muss stattdessen neue Gräben ausheben, Stacheldraht spannen. Doch am 31. Juli 1917 treten die Briten zur dritten Flandernschlacht an. Sperrfeuer belegt die deutschen Stellungen, Granatsplitter treffen ihn am Bein, am rechten Arm und am Hals. Für ihn ist der Krieg zu Ende und wird ihn doch nicht loslassen. Beinahe wäre er Lehrer geworden, übt diesen Beruf sogar ein halbes Jahr aus. Das wäre doch nichts für ihn gewesen, der sein Frühstück gern erst mittags einnimmt, zeitlebens zu viel raucht und zu viel trinkt. Selbstzweifel plagen ihn, sein Lebenswandel ist unstet, die Heimat setzt ihn vor die Tür. Doch macht er eine Weltkarriere. In welchem Beruf? Das würde es schon zu einfach machen. So viel sei aber verraten, prominente Augenzeugen beschreiben ihn als „wahnsinnig gutaussehend“, charmant, elegant. Hollywood liegt ihm zu Füßen: Eine kühle nordische Schönheit findet er „liegend, kugelnd auf dem Fußboden, – weich, schön, gelöst“ vor. Von einer anderen Diva kann er über Jahre nicht lassen. Doch sein Lebensglück findet er an der Seite einer Frau, die gleichfalls Hollywoodkarriere gemacht und eine Ehe hinter sich hatte – mit einem ganz Großen ihrer Branche.

10. Künstlerin mit Leidenschaft zur Sammelei

Die Gesuchte war ein gesamteuropäisches Phänomen. Im Friesischen als erstes Kind eines etwas aufschneiderischen Vaters geboren, strebte sie bereits als junges Mädchen selbst nach Höherem. Dabei setzte sie oft mehr als Charme und Verstand ein. Mit 19 Jahren heiratete sie schließlich und dampfte wenig später mit ihrem schneidigen, jedoch wesentlich älteren Mann in Richtung Fernost, wo der dienstlich zu tun hatte. Nach wenigen Jahren ging der 1856 Geborene in Pension und die Ehe in die Brüche. Beide kehrten nach Europa zurück. Sie zog es zunächst nach Paris, wo sie auf dem Sprungbrett zur großen Künstlerkarriere wippte, sich eine neue Vita mit entsprechendem Namen zulegte und bald in aller Munde war. Ihr künstlerisches Schaffen hielt sich zwar in engen Grenzen, gleichwohl führte es sie in die höchsten europäischen Kreise. In den letzten Jahren ihres aufwendig betriebenen Künstlerlebens avancierte sie zur Sammlerin. An dieser leidenschaftlich betriebenen Beschäftigung ließ sie viele ihrer Bekanntschaften teilhaben.

In diesem Jahr erinnern wir an 100 Jahre Erster Weltkrieg, die „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts. Dieser Krieg hat die Welt verändert. Unsere gesuchten Persönlichkeiten haben im Prinzip mal mehr, mal weniger direkt mit dem Krieg zu tun, sie passen in die Zeit, sie kommen aus unterschiedlichen Ländern und Kontinenten. Sie spiegeln – hoffentlich – jene Zeit und regen zum Nachdenken an.

Sie können erstmals Ihre Lösungen im Internet unter www.tagesspiegel.de/osterraetsel2014 direkt in eine Lösungsmaske eingeben und dann die Ergebnisse von dieser Website an uns abschicken. Natürlich gelten auch die bisherigen klassischen Wege wie eine E-Mail an osterraetsel@tagesspiegel.de oder die Postkarte an: Der Tagesspiegel, Redaktion Sonderthemen, Kennwort Osterrätsel, 10491 Berlin. Die Namen derer, die richtig geraten haben, werden veröffentlicht (ohne Gewähr) – vorausgesetzt, die Einsendungen enthalten einen deutlich lesbaren Absender mit Adresse. Unter den richtigen Einsendungen verlosen wir 30 Bücher. Einsendeschluss ist in diesem Jahr der 5. Mai (Poststempel).

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