OSTQUARTETTFritz Katers „Heaven (zu Tristan)“ : Liebestod in Wolfen

Sandra Luzina

Im siebten Himmel schwebt sie gewiss nicht, die liebende Simone in „Heaven“ – sie steckt vielmehr in der Hölle der ostdeutschen Provinz fest, während ihr Geliebter, der Architekturstudent Anders, in Amerika sein Glück sucht. Fritz Kater, das schreibende Alter Ego von Armin Petras, schließt mit „Heaven (zu Tristan)“ an seine Ost-Trilogie an. Geschildert wird die Zertrümmerung einer Lebenslandschaft. Schauplatz ist Wolfen, wo nach dem Zusammenbruch der ORWO-Filmwerke nur noch Verlorene und Verdammte zurückbleiben. Kein Job, keine Perspektive – und die Liebe ist längst erkaltet.

Der Psychiater Königsforst und seine Frau Helga wissen keinen anderen Ausweg, als sich mit Pillen aus dieser trostlosen Welt zu verabschieden – doch selbst das vermasseln die beiden. Die liebeskranke Simone hat schon mehrere Suizidversuche hinter sich – sie weiß auch, was ihr fehlt: „Wenn Menschen andere Menschen verlieren oder auch wenn sich gesellschaftliche Konstellationen unerwartet zum Negativen wenden, kann das sensible Menschen völlig aus der Bahn werfen.“ Posttraumatische Depression lautet die Diagnose Katers, der in den Ost-Blues dann noch ein mythisches Motiv webt. Das Simone-Anders-Thema ist eine heutige Tristan-Variation – der Liebestod in Wolfen gibt allerdings wenig Anlass zur Verklärung. Bei der Frankfurter Premiere gab’s viel Kritikerlob für Regisseur Petras und seine Schauspieler. Fritzi Haberlandt als Provinzausgabe der Isolde darf alles Liebesleid auskosten, lässt sich am Ende aber doch nicht unterkriegen. Und Peter Kurth als Königsforst im späten Honni-Look ist ein glänzender Komiker des Scheiterns.Sandra Luzina

Maxim Gorki Theater, Sa 17.11., 19.30 Uhr (ausverkaufte Prem.), Mi 21.11., 19.30 Uhr, ab 10 €

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